Augengymnastik

Erkrankungen

Lidrandentzündung (Blepharitis): Ursachen, Lidpflege, Therapie

Gerötete, schuppige, brennende Lidränder? Erfahren Sie, welche Formen der Lidrandentzündung es gibt, wie Sie eine wirksame Lidpflege-Routine aufbauen und was langfristig hilft.

Aktualisiert: 10. Oktober 2026 7 Min. Lesezeit Redaktion

Die Lidrandentzündung (Blepharitis) ist eine der häufigsten Ursachen für gerötete, brennende und juckende Augen. Dabei entzünden sich die Ränder der Augenlider, also der schmale Bereich, an dem die Wimpern wachsen und die Ausführungsgänge zahlreicher kleiner Drüsen münden. Typisch sind gerötete, verdickte Lidkanten, Schuppen an den Wimpern, morgens verklebte Augen und ein ständiges Fremdkörpergefühl. Die Blepharitis betrifft Menschen jeden Alters, tritt aber mit zunehmendem Alter häufiger auf.

Die Erkrankung ist in aller Regel nicht gefährlich für das Sehvermögen, aber meist chronisch: Sie kommt und geht in Schüben und lässt sich selten dauerhaft heilen. Dafür ist sie in den meisten Fällen gut kontrollierbar – vorausgesetzt, man pflegt die Lider konsequent und dauerhaft. Dieser Ratgeber erklärt die verschiedenen Formen, die Rolle von Demodex-Milben, eine praxistaugliche Lidpflege-Routine, den engen Zusammenhang mit trockenen Augen und die Möglichkeiten der Langzeitbehandlung.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Blepharitis ist eine meist chronische Entzündung der Lidränder mit Rötung, Schuppen, Brennen und verklebten Lidern.
  • Man unterscheidet die vordere Form (an den Wimpernwurzeln) und die hintere Form (an den Meibom-Drüsen); oft bestehen beide.
  • Demodex-Milben in den Wimpernfollikeln können eine Rolle spielen, typisch sind zylinderförmige Schuppen an den Wimpern.
  • Tägliche Lidhygiene mit Wärme, Massage und Reinigung ist die wichtigste Behandlung.
  • Die hintere Blepharitis ist eng mit trockenen Augen verbunden; beide sollten gemeinsam behandelt werden.

Aufbau des Lidrands

Am Lidrand befinden sich die Wurzeln der Wimpern, begleitet von kleinen Talg- und Schweißdrüsen (Zeis- und Moll-Drüsen). Etwas weiter innen, kurz vor der Kante zum Augapfel, münden die Meibom-Drüsen. Davon gibt es im Ober- und Unterlid jeweils mehrere Dutzend. Sie produzieren ein öliges Sekret, das sich bei jedem Lidschlag auf dem Tränenfilm verteilt und dessen Verdunstung bremst. Ist dieses fein abgestimmte System gestört, gerät der Lidrand aus dem Gleichgewicht. Einen Überblick über die Strukturen rund um das Auge bietet unser Beitrag Anatomie des Auges.

Formen der Blepharitis

MerkmalVordere BlepharitisHintere Blepharitis
Ort der EntzündungÄußere Lidkante, WimpernwurzelnInnere Lidkante, Meibom-Drüsen
Häufige UrsachenBakterien (vor allem Staphylokokken), seborrhoische Dermatitis, DemodexMeibom-Drüsen-Dysfunktion, Rosazea, hormonelle Faktoren
Typische BefundeSchuppen und Krusten an den Wimpern, gerötete Lidkante, WimpernverlustVerstopfte, verdickte Drüsenöffnungen, zähes oder trübes Sekret, schaumiger Tränenfilm
Häufige FolgenGerstenkörner, fehlgerichtete WimpernTrockene Augen, Hagelkörner, schwankendes Sehen

Vordere Blepharitis

Bei der vorderen Form ist die äußere Lidkante mit den Wimpernwurzeln entzündet. Häufig sind Staphylokokken beteiligt, Bakterien, die normalerweise harmlos auf der Haut leben. Bei manchen Menschen verursachen sie oder ihre Giftstoffe jedoch eine Entzündung. Eine zweite Ursache ist die seborrhoische Blepharitis, die oft zusammen mit Kopfschuppen oder fettigen, schuppigen Hautstellen an Augenbrauen und Nasenflügeln auftritt. Typisch sind fettige oder trockene Schuppen an den Wimpern, Krusten am Morgen, gerötete Lidkanten und bei längerem Verlauf ausfallende oder fehlgerichtete Wimpern.

Hintere Blepharitis und Meibom-Drüsen-Dysfunktion

Bei der hinteren Form sind die Meibom-Drüsen betroffen. Ihr Sekret wird dickflüssig, trüb oder zahnpastaartig, die Ausführungsgänge verstopfen und die Drüsen können auf Dauer verkümmern. Dieser Zustand heißt Meibom-Drüsen-Dysfunktion (MDD). Er ist sehr häufig und eng mit Rosazea, einer chronisch-entzündlichen Hauterkrankung des Gesichts, verbunden. Weil die Fettschicht des Tränenfilms fehlt, verdunsten die Tränen zu schnell – die Folge sind trockene Augen. Auch Hagelkörner entstehen bevorzugt bei MDD; mehr dazu im Ratgeber Gerstenkorn und Hagelkorn.

Demodex-Milben: winzige Mitbewohner

Demodex-Milben sind mikroskopisch kleine Spinnentiere, die in den Haarfollikeln und Talgdrüsen der Gesichtshaut leben. Mit zunehmendem Alter sind sie bei sehr vielen Menschen nachweisbar, meist ohne Beschwerden zu verursachen. Bei einer starken Vermehrung können sie jedoch eine Entzündung des Lidrands auslösen oder verstärken. Zwei Arten sind relevant: Demodex folliculorum lebt in den Wimpernfollikeln, Demodex brevis in den Talg- und Meibom-Drüsen.

Ein typischer Hinweis auf eine Demodex-Blepharitis sind zylinderförmige, manschettenartige Schuppen, die die Wimpernbasis wie kleine Hülsen umschließen. Betroffene berichten oft über Juckreiz, besonders morgens. Der Augenarzt kann die Milben an der Spaltlampe erkennen oder einzelne Wimpern unter dem Mikroskop untersuchen.

Zur Behandlung werden Lidreinigungsprodukte mit Teebaumöl-Bestandteilen eingesetzt, die gegen Milben wirken; sie dürfen nicht unverdünnt verwendet werden, da reines Teebaumöl die Augen stark reizen kann. In den USA wurden in den letzten Jahren speziell gegen Demodex wirksame Augentropfen zugelassen; ob und in welcher Form solche Präparate verfügbar sind, kann Ihr Augenarzt beantworten. Auch Ivermectin-haltige Cremes, die bei Rosazea verwendet werden, kommen in Einzelfällen am Lidrand zum Einsatz – stets nach ärztlicher Anweisung.

Symptome

  • gerötete, verdickte oder geschwollene Lidränder
  • Brennen, Jucken und Fremdkörpergefühl
  • Schuppen, Krusten oder fettige Beläge an den Wimpern
  • morgens verklebte Lider
  • tränende oder trockene Augen, oft im Wechsel
  • Lichtempfindlichkeit
  • schwankendes Sehen, das sich durch Blinzeln bessert
  • ausfallende, nach innen wachsende oder weiß werdende Wimpern bei langem Verlauf
  • wiederkehrende Gersten- oder Hagelkörner

Die Beschwerden sind häufig morgens am stärksten, weil sich über Nacht Sekret und Schuppen ansammeln. Meist sind beide Augen betroffen.

Ursachen und Risikofaktoren

  • Hauterkrankungen: Rosazea, seborrhoische Dermatitis, Neurodermitis und Schuppenflechte
  • Alter und Hormone: Die Drüsenfunktion verändert sich mit den Jahren und durch hormonelle Umstellungen
  • Bakterien und Milben am Lidrand
  • Kontaktlinsen und Augen-Make-up, besonders wenn es nicht gründlich entfernt wird oder alt ist
  • Bildschirmarbeit mit seltenem, unvollständigem Blinzeln, was die Drüsenentleerung verschlechtert
  • Bestimmte Medikamente wie Isotretinoin gegen Akne

Diagnose

Der Augenarzt untersucht die Lidränder an der Spaltlampe mit starker Vergrößerung. Er beurteilt Rötung, Schuppen, Wimpern, die Öffnungen der Meibom-Drüsen und deren Sekret, das er durch leichten Druck auf das Lid herausdrückt. Mit einem Farbstoff prüft er die Stabilität des Tränenfilms und mögliche Schäden der Hornhaut. Bei Verdacht auf Demodex werden die Wimpern genauer angesehen. Eine Blepharitis, die nur ein Auge betrifft, auf Behandlung nicht anspricht oder mit Wimpernverlust und Verdickung an einer Stelle einhergeht, muss genauer abgeklärt werden, da sich dahinter selten ein Tumor verbergen kann.

Die tägliche Lidpflege: Schritt für Schritt

Die Lidhygiene ist die Grundlage jeder Blepharitis-Behandlung. Sie wirkt nicht über Nacht, sondern braucht einige Wochen, bis sich eine deutliche Besserung einstellt. Danach sollte sie als feste Gewohnheit beibehalten werden, ähnlich wie das Zähneputzen.

  1. Wärme: Legen Sie eine warme, nicht heiße Kompresse oder eine Wärmemaske für etwa 5 bis 10 Minuten auf die geschlossenen Lider. Die Wärme verflüssigt das verdickte Drüsensekret. Eine Anleitung finden Sie in der Übung Warme Kompresse.
  2. Massage: Streichen Sie direkt danach mit sauberen Fingern oder einem Wattestäbchen das Oberlid sanft von oben zum Lidrand hin aus und das Unterlid von unten nach oben. So wird das Sekret aus den Drüsen gedrückt. Üben Sie nur leichten Druck aus, besonders nach Augenoperationen.
  3. Reinigung: Reinigen Sie die Lidkanten entlang der Wimpernwurzeln mit einem Wattepad oder Wattestäbchen und einer milden Lösung: abgekochtes Wasser, stark verdünntes Babyshampoo oder spezielle Lidreinigungstücher, -schaum oder -gel aus der Apotheke. Verwenden Sie für jedes Auge ein frisches Pad.
  4. Häufigkeit: In akuten Phasen ein- bis zweimal täglich, später einmal täglich oder mehrmals pro Woche als Erhaltung.

Bauen Sie die Lidpflege in eine feste Routine ein, zum Beispiel abends nach dem Abschminken oder morgens unter der Dusche, wo warmes Wasser die Lider bereits vorwärmt. Eine Wärmemaske, die Sie in der Mikrowelle oder im Wasserbad erwärmen, hält die Temperatur länger als ein Waschlappen.

Blepharitis und trockene Augen

Hintere Blepharitis und Meibom-Drüsen-Dysfunktion sind die häufigste Ursache des verdunstungsbedingten trockenen Auges. Umgekehrt verschlimmert ein instabiler Tränenfilm die Entzündung am Lidrand. Beide Erkrankungen bilden daher einen Kreislauf, der nur durchbrochen wird, wenn man sie gemeinsam behandelt. Neben der Lidpflege helfen konservierungsmittelfreie, idealerweise lipidhaltige Tränenersatzmittel. Ausführliche Informationen finden Sie in unserem Ratgeber Trockene Augen und im Artikel Künstliche Tränen richtig auswählen. Bewusstes, vollständiges Blinzeln bei der Bildschirmarbeit unterstützt zusätzlich die Drüsenentleerung.

Medizinische Behandlung

Reicht die Lidpflege allein nicht aus, stehen weitere Möglichkeiten zur Verfügung. Welche davon infrage kommt und in welcher Dosierung, entscheidet der Augenarzt:

  • Antibiotische Salben für den Lidrand über einen begrenzten Zeitraum bei ausgeprägter bakterieller Beteiligung.
  • Antibiotika zum Einnehmen aus der Gruppe der Tetrazykline oder Makrolide in niedriger Dosierung über mehrere Wochen, vor allem bei hinterer Blepharitis und Rosazea; sie wirken hier überwiegend entzündungshemmend. Bei Kindern und in der Schwangerschaft werden andere Präparate gewählt.
  • Kurzzeitig kortisonhaltige Tropfen oder Salben bei starken Entzündungsschüben, nur unter augenärztlicher Kontrolle.
  • Ciclosporin-haltige Tropfen bei chronischer Entzündung der Augenoberfläche.
  • Behandlung gegen Demodex, wenn Milben nachgewiesen wurden.
  • Verfahren in der Praxis wie Intense Pulsed Light (IPL), thermische Pulsationsbehandlung oder professionelle Reinigung und Expression der Drüsen bei hartnäckiger MDD.

Auch die Behandlung der Haut ist wichtig: Eine Rosazea oder seborrhoische Dermatitis sollte hautärztlich mitbehandelt werden, bei Kopfschuppen hilft ein geeignetes Shampoo.

Langfristiges Management

Weil die Blepharitis zu Rückfällen neigt, ist sie eher eine Daueraufgabe als ein einmaliges Problem. Folgende Grundsätze helfen, sie dauerhaft im Griff zu behalten:

  • Lidpflege dauerhaft fortsetzen, auch in beschwerdefreien Zeiten, gegebenenfalls in reduzierter Häufigkeit.
  • Schübe früh erkennen und die Pflege dann wieder intensivieren.
  • Make-up-Hygiene beachten: keinen Eyeliner auf die innere Lidkante, abends gründlich abschminken, Mascara alle drei Monate erneuern. Mehr im Artikel Augen-Make-up sicher verwenden.
  • Kontaktlinsen bei akuten Schüben pausieren und auf gute Linsenhygiene achten.
  • Bildschirmpausen und bewusstes Blinzeln in den Arbeitsalltag einbauen.
  • Regelmäßige Kontrollen beim Augenarzt, besonders bei Hornhautbeteiligung.

Augenübungen im engeren Sinn heilen keine Blepharitis. Wärme, Massage und Reinigung der Lider sind die Maßnahmen mit der besten Evidenz.

Wann zum Augenarzt?

Lassen Sie eine Lidrandentzündung augenärztlich abklären, wenn die Beschwerden trotz mehrwöchiger konsequenter Lidpflege anhalten, wenn häufig Gersten- oder Hagelkörner auftreten, wenn Wimpern ausfallen oder fehlwachsen oder wenn nur ein Auge betroffen ist.

Rasch zum Augenarzt bei Augenschmerzen, deutlicher Sehverschlechterung, starker Lichtempfindlichkeit, einem weißen Fleck auf der Hornhaut, einer sich ausbreitenden Schwellung und Rötung des gesamten Lids oder bei Fieber. Diese Zeichen können auf eine Hornhautentzündung oder eine sich ausbreitende Infektion hinweisen. Auch eine einseitige, nicht abheilende Verdickung oder Verkrustung des Lidrands mit Wimpernverlust muss untersucht werden. Weitere Hinweise unter Augennotfälle.

Eine Blepharitis verlangt Geduld und Regelmäßigkeit. Wer die Lidpflege zur festen Gewohnheit macht und Begleiterkrankungen wie trockene Augen oder Rosazea mitbehandeln lässt, kann die Beschwerden in den meisten Fällen deutlich und dauerhaft lindern.

Häufig gestellte Fragen

Ist eine Blepharitis ansteckend?

Nein, eine Lidrandentzündung ist in der Regel nicht ansteckend. Die beteiligten Bakterien und Milben kommen bei vielen Menschen ohnehin vor. Trotzdem ist es sinnvoll, eigene Handtücher und Kosmetik zu verwenden.

Kann man eine Blepharitis heilen?

Meist ist sie chronisch und lässt sich nicht dauerhaft heilen, aber sehr gut kontrollieren. Mit konsequenter Lidpflege werden die meisten Betroffenen weitgehend beschwerdefrei. Bei Nachlassen der Pflege kommen die Beschwerden oft zurück.

Wie lange dauert es, bis die Lidpflege wirkt?

Eine spürbare Besserung zeigt sich meist nach zwei bis sechs Wochen täglicher Anwendung. Wichtig ist, nicht zu früh aufzugeben. Danach sollte die Pflege in reduzierter Form fortgesetzt werden.

Was sind Demodex-Milben und muss ich mir Sorgen machen?

Demodex-Milben leben bei vielen Menschen unbemerkt in Haarfollikeln und Talgdrüsen. Nur bei starker Vermehrung können sie eine Lidrandentzündung auslösen oder verstärken. Sie sind gut behandelbar und kein Zeichen mangelnder Sauberkeit.

Darf ich Teebaumöl am Auge verwenden?

Nur in speziell für die Lider hergestellten, verdünnten Produkten aus der Apotheke. Unverdünntes Teebaumöl kann Augen und Haut stark reizen. Fragen Sie im Zweifel Ihren Augenarzt.

Hängen Blepharitis und trockene Augen zusammen?

Ja, sehr eng. Bei der hinteren Blepharitis funktionieren die Meibom-Drüsen schlecht, sodass der Tränenfilm zu schnell verdunstet. Deshalb sollten beide Probleme gemeinsam behandelt werden.

Kann ich mit Blepharitis Kontaktlinsen tragen?

Bei leichter, gut kontrollierter Blepharitis ist das oft möglich, wenn die Hygiene stimmt. In akuten Schüben sollten Sie auf eine Brille umsteigen. Tageslinsen sind meist verträglicher als Monatslinsen.

Darf ich bei Blepharitis Augen-Make-up benutzen?

In akuten Phasen besser nicht. Danach ist Make-up möglich, wenn Sie keinen Eyeliner auf die innere Lidkante auftragen, abends gründlich abschminken und Mascara regelmäßig erneuern.

Quellen
  • American Academy of Ophthalmology – Blepharitis Preferred Practice Pattern
  • Tear Film and Ocular Surface Society – TFOS International Workshop on Meibomian Gland Dysfunction (2011)
  • Tear Film and Ocular Surface Society – TFOS DEWS II Report (2017)
  • NHS – Blepharitis
  • College of Optometrists – Clinical Management Guidelines: Blepharitis
  • Cochrane Review – Interventions for blepharitis

Neueste Artikel