Wie oft zum Augenarzt? Empfehlungen nach Alter und Risiko
Wie häufig eine Augenuntersuchung sinnvoll ist, hängt von Alter, Vorerkrankungen und familiärem Risiko ab. Ein Überblick über empfohlene Abstände und den Ablauf.
Viele Menschen gehen erst zum Augenarzt, wenn sie schlechter sehen oder die Augen schmerzen. Das ist verständlich, aber riskant. Einige der wichtigsten Augenerkrankungen, allen voran das Glaukom (Grüner Star) und die diabetische Retinopathie, verursachen lange Zeit keinerlei Beschwerden. Wenn Betroffene etwas bemerken, ist oft schon ein Teil des Sehvermögens unwiderruflich verloren.
Regelmäßige Augenuntersuchungen sind deshalb eine der wirksamsten Maßnahmen, um das Sehen bis ins hohe Alter zu erhalten. Doch wie oft ist sinnvoll? Die Antwort hängt vom Alter, vom Gesundheitszustand und vom familiären Risiko ab. Dieser Beitrag gibt Ihnen eine Orientierung, die sich an Empfehlungen internationaler Fachgesellschaften wie der American Academy of Ophthalmology und an deutschen Leitlinien anlehnt.
Das Wichtigste in Kürze
- Kinder sollten im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen und idealerweise um das dritte Lebensjahr sowie vor der Einschulung augenärztlich untersucht werden.
- Gesunde Erwachsene ohne Beschwerden profitieren von einer Basisuntersuchung um das 40. Lebensjahr; danach werden die Abstände mit zunehmendem Alter kürzer.
- Ab etwa 65 Jahren ist meist eine Untersuchung alle ein bis zwei Jahre sinnvoll.
- Menschen mit Diabetes, Glaukom in der Familie, starker Kurzsichtigkeit oder anderen Risikofaktoren brauchen häufigere Kontrollen.
- Eine vollständige Augenuntersuchung umfasst weit mehr als einen Sehtest.
Sehtest oder Augenuntersuchung: Ein wichtiger Unterschied
Ein Sehtest beim Optiker oder für den Führerschein prüft, wie gut Sie sehen, und ermittelt gegebenenfalls die passenden Brillenwerte. Das ist nützlich, ersetzt aber keine augenärztliche Untersuchung. Bei dieser werden zusätzlich die Strukturen des Auges beurteilt, der Augeninnendruck gemessen und der Augenhintergrund mit Netzhaut und Sehnerv untersucht. Nur so lassen sich Krankheiten erkennen, bevor sie Beschwerden verursachen.
Auch Online-Tests können einen ersten Eindruck vermitteln. Mit unserem Sehschärfetest können Sie beispielsweise grob prüfen, ob sich Ihr Sehen verändert hat. Er ersetzt aber weder Sehtest noch augenärztliche Untersuchung.
Empfehlungen für Kinder und Jugendliche
Im Kindesalter geht es vor allem darum, Störungen zu finden, die die Sehentwicklung beeinträchtigen, wie Schielen, Schwachsichtigkeit (Amblyopie) oder starke Fehlsichtigkeiten. Diese lassen sich nur in den ersten Lebensjahren wirksam behandeln.
| Alter | Empfehlung |
|---|---|
| Neugeborene | Rotreflex-Test und Inspektion der Augen bei den ersten Vorsorgeuntersuchungen |
| Säuglinge (bis 12 Monate) | Augenprüfung bei den Vorsorgen; bei Risiko oder Auffälligkeiten frühe augenärztliche Untersuchung |
| Etwa 2,5 bis 3,5 Jahre | Augenärztliche Untersuchung empfohlen, auch ohne Auffälligkeiten |
| Vor der Einschulung | Prüfung der Sehschärfe jedes Auges und des räumlichen Sehens |
| Schulkinder und Jugendliche | Bei Beschwerden, Brillenträgern meist jährlich, sonst etwa alle ein bis zwei Jahre |
Kurzsichtige Kinder brauchen häufig engere Kontrollen, weil die Kurzsichtigkeit in der Wachstumsphase fortschreiten kann. Inzwischen gibt es Methoden, das Fortschreiten zu bremsen, etwa spezielle Brillengläser, Kontaktlinsen oder niedrig dosierte Atropin-Tropfen. Welche Option infrage kommt, entscheidet die Augenärztin. Mehr dazu in unserem Beitrag Wann braucht ein Kind die erste Augenuntersuchung?
Empfehlungen für Erwachsene ohne Risikofaktoren
Für gesunde Erwachsene ohne Beschwerden und ohne besondere Risiken gibt es international leicht unterschiedliche Empfehlungen. Die folgenden Abstände orientieren sich an den Empfehlungen der American Academy of Ophthalmology und werden von deutschen Augenärzten in ähnlicher Form vertreten.
| Alter | Empfohlener Abstand | Schwerpunkt |
|---|---|---|
| 20 bis 39 Jahre | Einmal in den Zwanzigern, zweimal in den Dreißigern; bei Brillen- und Linsenträgern öfter | Fehlsichtigkeit, Kontaktlinsenverträglichkeit, Augenoberfläche |
| Um 40 Jahre | Basisuntersuchung | Beginnende Alterssichtigkeit, Glaukom-Früherkennung |
| 40 bis 54 Jahre | Etwa alle zwei bis vier Jahre | Glaukom, Netzhaut, Linse |
| 55 bis 64 Jahre | Etwa alle ein bis drei Jahre | Glaukom, Katarakt, Makula |
| Ab 65 Jahre | Alle ein bis zwei Jahre | Katarakt, AMD, Glaukom |
In Deutschland übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen eine reine Glaukom-Früherkennung ohne Krankheitsverdacht in der Regel nicht; sie wird als individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) angeboten. Bei Beschwerden, Risikofaktoren oder einem begründeten Verdacht ist die Untersuchung dagegen Kassenleistung. Fragen Sie in Ihrer Praxis nach.
Warum gerade die 40? In diesem Alter beginnt die Alterssichtigkeit, und das Risiko für Glaukom und andere Erkrankungen steigt merklich an. Eine Basisuntersuchung liefert Ausgangswerte, mit denen spätere Befunde verglichen werden können. Was sich ab diesem Alter verändert, beschreibt unser Beitrag Ihre Augen nach 40.
Risikogruppen: Wer häufiger zur Kontrolle sollte
Bestimmte Erkrankungen und Merkmale erhöhen das Risiko für Augenkrankheiten so stark, dass deutlich engere Kontrollen nötig sind.
Diabetes mellitus
Diabetes kann die feinen Gefäße der Netzhaut schädigen. Die diabetische Retinopathie ist eine der häufigsten Ursachen für Sehverlust im Erwerbsalter. Die Nationale VersorgungsLeitlinie empfiehlt Menschen mit Diabetes ohne Netzhautveränderungen und mit geringem Risiko eine augenärztliche Kontrolle alle ein bis zwei Jahre, bei erhöhtem Risiko oder unbekanntem Risikoprofil jährlich. Liegen bereits Veränderungen vor, legt der Augenarzt engere Abstände fest. Bei Typ-1-Diabetes beginnen die Kontrollen in der Regel einige Jahre nach Diagnosestellung, bei Typ-2-Diabetes sofort bei Diagnose, da die Erkrankung oft schon länger unbemerkt bestand. Mehr dazu im Ratgeber zur diabetischen Retinopathie.
Glaukom in der Familie
Wer Eltern oder Geschwister mit Glaukom hat, trägt ein deutlich höheres Risiko. Augenärzte empfehlen in diesem Fall, die Früherkennung bereits ab etwa 40 Jahren oder früher zu beginnen und regelmäßig zu wiederholen. Das gilt auch für andere erbliche Augenkrankheiten. Weitere Informationen bietet unser Beitrag Familiäre Vorbelastung und Augenkrankheiten.
Starke Kurzsichtigkeit
Bei hoher Kurzsichtigkeit, meist ab etwa minus sechs Dioptrien, ist der Augapfel stark verlängert. Die Netzhaut wird dadurch gedehnt und dünner. Das erhöht das Risiko für Netzhautlöcher, Netzhautablösung, Glaukom, Grauen Star und Veränderungen der Makula. Regelmäßige Kontrollen des Augenhintergrunds, oft jährlich, sind sinnvoll.
Weitere Risikofaktoren
- Bluthochdruck: Kann die Netzhautgefäße schädigen und Gefäßverschlüsse auslösen.
- Langfristige Einnahme bestimmter Medikamente: Zum Beispiel Kortison (Risiko für Glaukom und Katarakt) oder Hydroxychloroquin (Risiko für Netzhautschäden, daher regelmäßige Kontrollen nach Leitlinie).
- Frühere Augenverletzungen oder Operationen: Sie können Spätfolgen haben.
- Rheuma und Autoimmunerkrankungen: Erhöhen das Risiko für Entzündungen im Auge.
- Kontaktlinsenträger: Sollten Sitz und Augenoberfläche regelmäßig kontrollieren lassen, meist jährlich.
- Raucher: Haben ein erhöhtes Risiko für Makuladegeneration und Grauen Star.
- Bekannte Augenerkrankung: Die Kontrollabstände legt die behandelnde Augenärztin individuell fest.
Was eine vollständige Augenuntersuchung umfasst
Eine umfassende augenärztliche Untersuchung dauert je nach Umfang zwischen 20 Minuten und über einer Stunde, besonders wenn die Pupillen erweitert werden. Typische Bestandteile sind:
- Anamnese: Fragen zu Beschwerden, Vorerkrankungen, Medikamenten und Augenkrankheiten in der Familie.
- Sehschärfe: Prüfung jedes Auges einzeln, mit und ohne Brille, in Ferne und Nähe.
- Refraktion: Bestimmung der Brillenwerte, objektiv mit einem Messgerät und subjektiv mit Vorhaltegläsern.
- Augenstellung und Augenbewegungen: Hinweise auf Schielen oder Muskelstörungen.
- Pupillenreaktion: Gibt Hinweise auf die Funktion von Sehnerv und Nerven.
- Spaltlampenuntersuchung: Mit einem speziellen Mikroskop werden Lider, Bindehaut, Hornhaut, Vorderkammer, Iris und Linse betrachtet.
- Augeninnendruck: Messung, meist mit einem Tonometer nach Betäubung oder mit einem Luftstoß.
- Augenhintergrund (Funduskopie): Beurteilung von Netzhaut, Makula, Gefäßen und Sehnerv, oft nach Weitstellung der Pupillen.
- Zusatzuntersuchungen bei Bedarf: Gesichtsfeldmessung, optische Kohärenztomografie (OCT) von Netzhaut und Sehnerv, Hornhautdickenmessung, Fotos des Augenhintergrunds.
Wenn Ihre Pupillen erweitert werden, sehen Sie für einige Stunden unscharf und sind blendempfindlich. Fahren Sie in dieser Zeit nicht selbst Auto, und nehmen Sie eine Sonnenbrille mit. Bringen Sie außerdem Ihre aktuelle Brille, Kontaktlinsenpass und eine Medikamentenliste mit.
Eine ausführliche Beschreibung der einzelnen Untersuchungsmethoden finden Sie in unserem Ratgeber Augenuntersuchungen verständlich erklärt.
Besondere Anlässe: Führerschein, Beruf und Bildschirmarbeit
Neben den medizinischen Empfehlungen gibt es in Deutschland auch gesetzliche Anlässe für eine Prüfung des Sehens. Für den Erwerb eines Pkw-Führerscheins ist ein Sehtest vorgeschrieben, der bei einer amtlich anerkannten Sehteststelle, etwa vielen Optikern, durchgeführt werden kann. Für Lkw- und Busführerscheine sind strengere Anforderungen und regelmäßige Wiederholungen festgelegt. Wer im Straßenverkehr unterwegs ist, sollte sein Sehvermögen aber auch ohne gesetzliche Pflicht regelmäßig überprüfen lassen, denn das Sehen kann sich schleichend verschlechtern.
Beschäftigte an Bildschirmarbeitsplätzen haben Anspruch darauf, dass ihnen der Arbeitgeber eine arbeitsmedizinische Vorsorge zum Sehen anbietet. Ergibt sich dabei, dass eine spezielle Bildschirmbrille nötig ist, weil eine normale Brille nicht ausreicht, muss der Arbeitgeber diese in der Regel bezahlen. Auch bestimmte Berufe mit besonderen Anforderungen an das Sehen, etwa im Verkehr oder bei Arbeiten mit Absturzgefahr, haben eigene Untersuchungsregeln.
Wie Sie sich auf den Termin vorbereiten
Eine gute Vorbereitung macht die Untersuchung effizienter. Notieren Sie vorab, welche Beschwerden Sie bemerkt haben und seit wann, welche Medikamente Sie einnehmen und ob in Ihrer Familie Augenkrankheiten wie Glaukom, Makuladegeneration oder Netzhautablösung vorkommen. Bringen Sie alle Brillen mit, die Sie nutzen, auch Lese- oder Sonnenbrillen mit Sehstärke. Kontaktlinsenträger sollten fragen, ob sie die Linsen vor dem Termin herausnehmen sollen, da einige Messungen der Hornhaut sonst verfälscht werden. Planen Sie bei möglicher Pupillenerweiterung eine Begleitung oder öffentliche Verkehrsmittel für den Heimweg ein.
Typische Fehler, die Sie vermeiden sollten
- Nur zum Optiker gehen: Ein Sehtest misst die Brillenstärke, aber erkennt keine Netzhaut- oder Sehnerverkrankungen.
- Auf Beschwerden warten: Glaukom und diabetische Retinopathie bleiben lange stumm.
- Kontrollen bei Diabetes auslassen: Gerade bei gut eingestelltem Zucker wird die Netzhaut manchmal vergessen.
- Fertige Lesebrillen dauerhaft ohne Untersuchung: Sie können sinnvoll sein, ersetzen aber nicht die Kontrolle der Augengesundheit ab 40.
- Ein Auge vergessen: Viele Erkrankungen betreffen zunächst nur ein Auge und fallen nicht auf, solange das andere gut sieht. Decken Sie gelegentlich abwechselnd ein Auge ab.
Wann Sie nicht bis zum nächsten Termin warten sollten
Die empfohlenen Abstände gelten für Menschen ohne Beschwerden. Verändert sich Ihr Sehen, sollten Sie nicht auf die nächste Routinekontrolle warten. Vereinbaren Sie zeitnah einen Termin bei schleichend verschlechtertem Sehen, häufigen Kopfschmerzen beim Lesen, zunehmender Blendempfindlichkeit, Problemen beim Nachtfahren oder anhaltend trockenen, gereizten Augen.
Sofort zum Augenarzt oder in die Notaufnahme bei: plötzlichem Sehverlust auf einem oder beiden Augen; einem Schatten, Vorhang oder einer Wand im Gesichtsfeld; vielen neuen Lichtblitzen oder einem Regen schwarzer Punkte; plötzlich verzerrtem Sehen; starken Augenschmerzen mit Rötung, Übelkeit oder Erbrechen; plötzlichen Doppelbildern; Verletzungen oder Verätzungen des Auges. Bei Sehstörungen zusammen mit Lähmungen oder Sprachstörungen wählen Sie den Notruf 112.
Regelmäßige Augenuntersuchungen kosten wenig Zeit und können viel bewahren. Wer seine persönlichen Risiken kennt und die Kontrollabstände danach ausrichtet, gibt Krankheiten kaum eine Chance, unbemerkt Schaden anzurichten.
Häufig gestellte Fragen
Wie oft sollte ich als gesunder Erwachsener zum Augenarzt?
Ohne Beschwerden und Risikofaktoren wird eine Basisuntersuchung um das 40. Lebensjahr empfohlen. Danach verkürzen sich die Abstände mit dem Alter: etwa alle zwei bis vier Jahre bis Mitte 50, alle ein bis drei Jahre bis 64 und ab 65 alle ein bis zwei Jahre.
Wie oft müssen Menschen mit Diabetes zur Augenkontrolle?
Nach deutscher Leitlinie alle ein bis zwei Jahre, wenn keine Netzhautveränderungen und ein geringes Risiko vorliegen, sonst jährlich oder häufiger. Bei bestehender Retinopathie bestimmt der Augenarzt die Abstände.
Reicht ein Sehtest beim Optiker aus?
Ein Sehtest ermittelt die Brillenwerte, ersetzt aber keine augenärztliche Untersuchung. Erkrankungen wie Glaukom, Makuladegeneration oder diabetische Netzhautschäden können nur bei einer Untersuchung von Augeninnendruck und Augenhintergrund erkannt werden.
Zahlt die Krankenkasse die Glaukom-Vorsorge?
Ohne Beschwerden oder Risikofaktoren übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Glaukom-Früherkennung meist nicht; sie wird als Selbstzahlerleistung angeboten. Bei Verdacht, Risikofaktoren oder bekannter Erkrankung ist die Untersuchung Kassenleistung.
Warum ist starke Kurzsichtigkeit ein Risikofaktor?
Bei starker Kurzsichtigkeit ist der Augapfel verlängert und die Netzhaut gedehnt. Das erhöht das Risiko für Netzhautablösung, Glaukom, Katarakt und Veränderungen der Makula. Deshalb sind regelmäßige Kontrollen des Augenhintergrunds sinnvoll.
Wie lange dauert eine vollständige Augenuntersuchung?
Je nach Umfang zwischen 20 Minuten und über einer Stunde. Wenn die Pupillen erweitert werden, kommt eine Wartezeit hinzu, und Sie sollten danach einige Stunden nicht Auto fahren.
Ab wann sollte ein Kind zum ersten Mal zum Augenarzt?
Augenprüfungen sind Teil der kinderärztlichen Vorsorgen. Eine augenärztliche Untersuchung wird zusätzlich um das dritte Lebensjahr empfohlen, bei Risikofaktoren oder Auffälligkeiten schon früher.
Quellen
- American Academy of Ophthalmology – Comprehensive Adult Medical Eye Evaluation, Preferred Practice Pattern
- American Academy of Ophthalmology – Eye Exams 101 / Get an Eye Disease Screening at 40
- Nationale VersorgungsLeitlinie Typ-2-Diabetes – Netzhautkomplikationen
- Berufsverband der Augenärzte Deutschlands (BVA) – Früherkennung des Glaukoms
- National Eye Institute – Get a Dilated Eye Exam
- NHS – Eye tests: how often should you have one?
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