Augengymnastik

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Pterygium und Pinguecula: Flügelfell und Lidspaltenfleck

Pterygium und Pinguecula sind gutartige Bindehautveränderungen, die vor allem durch UV-Licht entstehen. Hier erfahren Sie, was sie auslöst, wie man sie behandelt und vorbeugt.

Aktualisiert: 10. Oktober 2026 7 Min. Lesezeit Redaktion

Viele Menschen entdecken eines Tages im Spiegel einen gelblichen Fleck oder eine fleischfarbene, dreieckige Wucherung im Weiß ihres Auges, meist auf der Seite zur Nase hin. Oft sind es Menschen, die viel Zeit im Freien verbringen – Landwirte, Bauarbeiter, Seglerinnen, Surfer oder Menschen, die in sonnenreichen Regionen leben. Dahinter steckt in den meisten Fällen eine von zwei gutartigen Veränderungen der Bindehaut: die Pinguecula (Lidspaltenfleck) oder das Pterygium (Flügelfell).

Beide sind nicht gefährlich im Sinne eines Tumors, können aber das Auge reizen, kosmetisch stören und – im Fall des Pterygiums – auf die Hornhaut wachsen und das Sehen beeinträchtigen. Dieser Ratgeber erklärt, wie Sie die beiden unterscheiden, warum UV-Licht, Wind und Staub eine so große Rolle spielen, was gegen die Beschwerden hilft und wann eine Operation sinnvoll ist. Außerdem erfahren Sie, warum moderne Operationstechniken das früher häufige Wiederkehren des Flügelfells deutlich seltener gemacht haben.

Das Wichtigste in Kürze

  • Pinguecula und Pterygium sind gutartige Veränderungen der Bindehaut, die eng mit UV-Strahlung, Wind, Staub und Trockenheit zusammenhängen.
  • Eine Pinguecula bleibt auf der Bindehaut; ein Pterygium wächst auf die Hornhaut und kann das Sehen stören.
  • Gegen Reizungen helfen konservierungsmittelfreie Tränenersatzmittel und konsequenter UV-Schutz.
  • Eine Operation ist sinnvoll, wenn das Pterygium wächst, das Sehen beeinträchtigt oder stark reizt.
  • Die Verpflanzung eines körpereigenen Bindehautstücks (Autograft) senkt das Rückfallrisiko erheblich.

Was ist eine Pinguecula?

Die Pinguecula ist eine kleine, leicht erhabene, gelblich-weiße Verdickung der Bindehaut. Sie liegt in der Lidspalte, also in dem Bereich, der bei geöffnetem Auge dem Licht ausgesetzt ist – meist auf der Nasenseite, manchmal auf beiden Seiten. Sie besteht aus verändertem Bindegewebe mit Ablagerungen von Eiweiß und Fett und ist im höheren Lebensalter sehr häufig.

Eine Pinguecula wächst nicht auf die Hornhaut und beeinträchtigt das Sehen nicht. Sie kann sich jedoch gelegentlich entzünden (Pingueculitis): Dann wird sie rot, geschwollen und verursacht ein Fremdkörpergefühl. Außerdem kann sie den Tränenfilm stören, weil sich die Lider über der Erhebung nicht gleichmäßig verteilen.

Was ist ein Pterygium?

Das Pterygium, deutsch Flügelfell, ist eine dreieckige, gefäßreiche Bindehautfalte, die mit ihrer Spitze vom Rand her auf die Hornhaut wächst. Es sieht aus wie ein kleiner Flügel – daher der Name. Auch das Pterygium sitzt meist auf der Nasenseite. Es kann über Jahre stillstehen oder langsam weiterwachsen.

Wächst es weit auf die Hornhaut, kann es auf zwei Wegen das Sehen stören: Es zieht an der Hornhaut und verursacht eine Hornhautverkrümmung (Astigmatismus), und in fortgeschrittenen Fällen schiebt es sich vor die Pupille. Sehr große Pterygien können zudem die Beweglichkeit des Auges einschränken und Doppelbilder verursachen.

MerkmalPinguecula (Lidspaltenfleck)Pterygium (Flügelfell)
AussehenGelblich-weißer, erhabener FleckDreieckige, rötliche, gefäßreiche Gewebefalte
LageNur auf der BindehautWächst von der Bindehaut auf die Hornhaut
Wirkung auf das SehenKeineMöglich durch Astigmatismus oder Überwachsen der Pupille
Typische BeschwerdenGelegentlich Reizung, TrockenheitRötung, Fremdkörpergefühl, Sehverschlechterung
Operation nötig?SeltenBei Wachstum, Sehstörung oder starken Beschwerden

Ursachen und Risikofaktoren

Die wichtigste Ursache für beide Veränderungen ist die langjährige Belastung des Auges durch Umweltreize, allen voran ultraviolette Strahlung. Große Studien zeigen, dass Pterygien in äquatornahen, sonnenreichen Regionen wie Australien, Teilen Asiens oder Lateinamerikas besonders häufig sind. Man spricht deshalb auch vom „Pterygium-Gürtel“.

  • UV-Strahlung: Sie schädigt die Stammzellen am Rand der Hornhaut (Limbus) und verändert das Bindehautgewebe. Licht, das seitlich auf das Auge fällt, wird von der Hornhaut zur Nasenseite gebündelt – das erklärt die typische Lage.
  • Reflexion: Wasser, Sand und Schnee reflektieren UV-Licht und erhöhen die Belastung, etwa beim Segeln, Surfen, Angeln oder Skifahren. Mehr dazu im Beitrag Schneeblindheit und UV-Schäden.
  • Wind, Staub und Sand: Ständige mechanische Reizung, wie sie bei Arbeiten auf dem Bau, in der Landwirtschaft oder in Wüstenregionen vorkommt.
  • Trockene Augen: Ein instabiler Tränenfilm fördert Reizungen und scheint das Wachstum zu begünstigen.
  • Veranlagung: Familiäre Häufungen werden beobachtet, die genaue Rolle der Gene ist noch unklar.

Symptome

Kleine Pinguecula und Pterygien verursachen oft gar keine Beschwerden. Wenn doch, sind sie meist ähnlich:

  • Rötung im Bereich der Veränderung, besonders nach Sonne, Wind oder Bildschirmarbeit
  • Fremdkörpergefühl, Brennen, Jucken oder Sandkorngefühl
  • Tränende oder trockene Augen
  • Probleme beim Tragen von Kontaktlinsen
  • Bei größerem Pterygium: unscharfes oder verzerrtes Sehen durch Astigmatismus
  • Kosmetische Beeinträchtigung durch die sichtbare Veränderung

Nicht jede Veränderung auf der Bindehaut ist harmlos. Selten können sich hinter einer ähnlich aussehenden Wucherung Vorstufen oder Tumoren der Augenoberfläche verbergen – etwa wenn sie ungewöhnlich aussieht, stark pigmentiert ist, rasch wächst oder an untypischer Stelle sitzt. Deshalb sollte jede neue Veränderung einmal augenärztlich beurteilt werden. Mehr dazu im Ratgeber Augentumoren.

Diagnose

Die Diagnose stellt die Augenärztin oder der Augenarzt in der Regel mit einem Blick durch die Spaltlampe. Dabei wird auch beurteilt, wie weit ein Pterygium auf die Hornhaut reicht, ob es aktiv wirkt (gefäßreich, dick) und ob der Tränenfilm gestört ist. Eine Hornhautvermessung (Topografie) zeigt, ob ein Astigmatismus entstanden ist. Fotos helfen, das Wachstum über die Zeit zu verfolgen. Bei ungewöhnlichem Aussehen kann eine Gewebeprobe nötig sein.

Behandlung ohne Operation

Bei den meisten Menschen reichen einfache Maßnahmen aus, um die Beschwerden zu lindern und ein Fortschreiten möglichst zu bremsen.

Befeuchten

Konservierungsmittelfreie Tränenersatzmittel stabilisieren den Tränenfilm, lindern Fremdkörpergefühl und Brennen und können mehrmals täglich angewendet werden. Bei stärkerer Trockenheit sind Gele oder Salben für die Nacht hilfreich. Wie Sie das passende Präparat auswählen, erklärt der Beitrag So wählen Sie künstliche Tränen. Weitere Hinweise zur Anwendung finden Sie im Ratgeber Augentropfen.

Entzündung behandeln

Bei einer akut entzündeten Pinguecula oder einem gereizten Pterygium kann die Augenärztin oder der Augenarzt kurzzeitig entzündungshemmende Augentropfen verordnen. Kortisonhaltige Tropfen sollten nur unter ärztlicher Kontrolle angewendet werden, weil sie bei längerem Gebrauch den Augeninnendruck erhöhen und einen Grauen Star begünstigen können.

Schutz vor Auslösern

So schützen Sie Ihre Augen:

  • Tragen Sie im Freien eine Sonnenbrille mit UV-400-Schutz und CE-Kennzeichnung, idealerweise mit seitlichem Schutz oder in gebogener Form.
  • Ergänzen Sie die Sonnenbrille durch einen Hut oder eine Kappe mit Schirm.
  • Denken Sie an UV-Schutz auch bei bewölktem Himmel, auf dem Wasser und im Schnee.
  • Schützen Sie die Augen bei Wind, Staub und Sand mit einer gut sitzenden Schutzbrille.
  • Achten Sie bei Bildschirmarbeit auf häufiges Blinzeln und gute Luftfeuchtigkeit.

Tipps zur Auswahl finden Sie im Ratgeber Sonnenbrillen.

Die Operation des Pterygiums

Wann ist eine Operation sinnvoll?

Ein Pterygium wird operiert, wenn es nachweislich weiter in Richtung Pupille wächst, einen störenden Astigmatismus verursacht, das Sehen beeinträchtigt, die Augenbeweglichkeit einschränkt oder trotz Behandlung dauerhaft stark reizt. Auch vor einer geplanten Grauer-Star- oder Laseroperation kann eine Entfernung sinnvoll sein, damit die Messungen genau sind. Eine rein kosmetische Operation ist möglich, sollte aber wegen des Rückfallrisikos gut überlegt werden. Pinguecula werden nur selten operiert.

Ablauf

Der Eingriff erfolgt meist ambulant in örtlicher Betäubung und dauert etwa eine halbe Stunde. Das Pterygium wird sorgfältig von Hornhaut und Bindehaut abgelöst und entfernt, die Hornhautoberfläche wird geglättet.

Bindehautautotransplantat: der heutige Standard

Früher wurde nach der Entfernung die freigelegte Lederhaut einfach offen gelassen („Bare-Sclera-Technik“). Das Pterygium wuchs danach sehr häufig wieder nach – oft aggressiver als zuvor. Heute wird die Lücke in der Regel mit einem dünnen Stück gesunder Bindehaut gedeckt, das meist unter dem Oberlid entnommen wird (konjunktivales Autograft). Es wird mit feinen Nähten oder mit Gewebekleber (Fibrinkleber) befestigt. Wird der Hornhautrand (Limbus) mit verpflanzt, spricht man von einem limbalen Autograft. Diese Technik senkt das Rückfallrisiko im Vergleich zur offenen Methode deutlich, wie auch ein Cochrane-Review bestätigt.

In bestimmten Fällen – etwa bei Rezidiven oder sehr großen Befunden – kommen zusätzliche Maßnahmen zum Einsatz, zum Beispiel eine Amnionmembran (Eihaut) als Gewebeersatz oder Medikamente, die das Zellwachstum hemmen. Über deren Einsatz entscheidet die Operateurin oder der Operateur.

Nach der Operation

  • Für einige Tage sind Fremdkörpergefühl, Rötung und Tränen normal.
  • Entzündungshemmende Augentropfen werden meist über mehrere Wochen nach Plan angewendet.
  • Reiben Sie das Auge nicht, und meiden Sie Staub, Schwimmbad und Sauna für die von der Klinik empfohlene Zeit.
  • Konsequenter UV-Schutz ist danach besonders wichtig, um einen Rückfall zu vermeiden.

Einen Überblick über weitere Eingriffe bietet der Ratgeber Augenoperationen.

Rückfall: Wie oft kommt das Pterygium wieder?

Das Wiederauftreten (Rezidiv) ist das Hauptproblem der Pterygium-Chirurgie. Ohne Gewebedeckung kehrte das Flügelfell in einem großen Teil der Fälle zurück. Mit Bindehautautotransplantat ist das Risiko deutlich geringer, wenn auch nicht null. Rückfälle treten meist innerhalb des ersten Jahres auf. Jüngeres Alter, ein sehr gefäßreiches, aktives Pterygium und fortgesetzte starke UV-Belastung erhöhen das Risiko. Regelmäßige Kontrollen in den ersten Monaten nach der Operation sind deshalb wichtig.

Vorbeugung im Alltag und im Beruf

Da UV-Strahlung und Umweltreize die Hauptursachen sind, lässt sich das Risiko für ein Pterygium und eine Pinguecula durch einfache Gewohnheiten senken. Besonders wichtig ist das für Menschen, die beruflich viel im Freien arbeiten, etwa in der Landwirtschaft, im Gartenbau, auf Baustellen, in der Fischerei oder im Wassersport. Arbeitgeber sind in vielen Bereichen verpflichtet, geeignete Schutzbrillen bereitzustellen; nutzen Sie diese konsequent. Wer im Urlaub oder in der Freizeit viel Zeit am Meer, in den Bergen oder auf dem Wasser verbringt, sollte den Augenschutz ebenso selbstverständlich einpacken wie die Sonnencreme. Auch Kinder profitieren von Sonnenbrille und Schirmmütze, denn die UV-Belastung summiert sich über das gesamte Leben. Weitere Hinweise finden Sie im Ratgeber zur Augensicherheit bei Arbeit und Sport.

Wann zum Arzt? Dringende Warnzeichen

Lassen Sie eine neu entdeckte Veränderung auf dem Auge einmal augenärztlich beurteilen. Zeitnah sollten Sie einen Termin vereinbaren, wenn:

  • die Veränderung sichtbar wächst oder sich in Richtung Pupille ausdehnt,
  • Sie unscharf oder verzerrt sehen,
  • die Veränderung dunkel pigmentiert, ungewöhnlich geformt oder an untypischer Stelle ist,
  • Rötung und Reizung trotz Tränenersatzmitteln anhalten.

Sofort, möglichst am selben Tag, sollten Sie eine Augenarztpraxis oder Augenklinik aufsuchen bei starken Schmerzen, plötzlicher Sehverschlechterung, eitriger Absonderung oder deutlicher Zunahme von Rötung und Schwellung nach einer Operation. Weitere Hinweise zu geröteten Augen gibt der Beitrag Rotes Auge: harmlos oder Notfall?.

Häufig gestellte Fragen

Ist ein Pterygium gefährlich?

Ein Pterygium ist gutartig und kein Krebs. Es kann aber auf die Hornhaut wachsen, einen Astigmatismus verursachen und in fortgeschrittenen Fällen die Pupille verdecken. Deshalb sollte es regelmäßig augenärztlich kontrolliert werden.

Geht eine Pinguecula von allein weg?

Nein, eine Pinguecula bildet sich in der Regel nicht zurück. Sie ist jedoch harmlos und wächst nicht auf die Hornhaut. Entzündungen klingen mit Befeuchtung und gegebenenfalls kurzzeitig verordneten Tropfen meist wieder ab.

Kann man ein Pterygium mit Augentropfen beseitigen?

Nein, Tropfen können ein Pterygium nicht auflösen. Sie lindern aber Trockenheit, Reizung und Entzündung. Die einzige Möglichkeit, ein Pterygium zu entfernen, ist eine Operation.

Wie hoch ist das Rückfallrisiko nach einer Operation?

Bei der alten Technik ohne Gewebedeckung kehrte das Pterygium sehr häufig zurück. Mit der heute üblichen Verpflanzung eines körpereigenen Bindehautstücks ist das Risiko deutlich geringer. Konsequenter UV-Schutz nach der Operation senkt es zusätzlich.

Ist die Pterygium-Operation schmerzhaft?

Der Eingriff selbst erfolgt unter örtlicher Betäubung und ist schmerzfrei. In den ersten Tagen danach sind Fremdkörpergefühl und leichte Schmerzen üblich, die mit Tropfen und gegebenenfalls Schmerzmitteln gut behandelbar sind.

Kann ich nach einer Pterygium-OP Kontaktlinsen tragen?

Meist ja, nachdem die Augenoberfläche vollständig verheilt ist. Wann Sie wieder Linsen tragen dürfen, legt Ihre Augenärztin oder Ihr Augenarzt fest. Oft verbessert sich die Linsenverträglichkeit nach der Entfernung sogar.

Schützt eine normale Sonnenbrille ausreichend?

Wichtig ist ein ausgewiesener UV-400-Schutz, nicht die Tönung. Seitlich einfallendes Licht spielt beim Pterygium eine große Rolle, daher sind gebogene Modelle oder Brillen mit Seitenschutz besonders sinnvoll. Ein Hut mit Krempe ergänzt den Schutz.

Bekommen auch Kinder ein Pterygium?

Bei Kindern ist ein Pterygium selten, kann aber in sonnenreichen Regionen auftreten. Da die UV-Belastung in jungen Jahren zum späteren Risiko beiträgt, ist Sonnenschutz für die Augen schon im Kindesalter sinnvoll.

Quellen
  • American Academy of Ophthalmology – Pinguecula and Pterygium (patient information)
  • Cochrane Database of Systematic Reviews – Conjunctival autograft versus amniotic membrane transplantation for treating pterygium
  • NHS inform – Pterygium
  • World Health Organization (WHO) – Ultraviolet radiation and the eye
  • Royal College of Ophthalmologists – Pterygium surgery patient information

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