Augengymnastik

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Pupillenabstand (PD): Was er bedeutet und wie er gemessen wird

Der Pupillenabstand bestimmt, wo die optischen Mittelpunkte Ihrer Brillengläser sitzen. Hier erfahren Sie, wie er gemessen wird und warum er bei Gleitsichtgläsern besonders genau sein muss.

Aktualisiert: 10. Oktober 2026 7 Min. Lesezeit Redaktion

Wer eine Brille online bestellen möchte, stößt schnell auf ein Pflichtfeld, das auf dem ärztlichen Rezept oft fehlt: den Pupillenabstand, kurz PD. Dieser unscheinbare Millimeterwert entscheidet mit darüber, ob Sie mit einer neuen Brille entspannt sehen oder nach kurzer Zeit müde Augen und Kopfschmerzen bekommen. Denn jedes Brillenglas hat einen optischen Mittelpunkt, durch den Sie idealerweise hindurchschauen. Liegt dieser Punkt nicht genau vor der Pupille, entsteht eine ungewollte prismatische Wirkung, die das Auge ausgleichen muss.

In diesem Ratgeber erfahren Sie, was der Pupillenabstand genau ist, was der Unterschied zwischen binokularer und monokularer PD ist, wie Fachleute ihn messen, was Sie bei einer Messung zu Hause beachten sollten und warum der PD bei Gleitsichtgläsern besonders genau stimmen muss.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Pupillenabstand (PD) ist der Abstand zwischen den Mittelpunkten der beiden Pupillen in Millimetern.
  • Bei Erwachsenen liegt er meist zwischen etwa 54 und 74 Millimetern, bei Kindern darunter.
  • Die monokulare PD misst jede Seite einzeln zur Nasenmitte und ist genauer als ein einzelner Gesamtwert.
  • Für die Nähe ist der PD einige Millimeter kleiner als für die Ferne, weil die Augen beim Lesen nach innen schwenken.
  • Bei Gleitsicht- und starken Gläsern muss der PD zusammen mit der Einschleifhöhe besonders exakt gemessen werden.
  • Eine Messung zu Hause ist für einfache Einstärkenbrillen eine Notlösung, für Gleitsicht aber nicht zu empfehlen.

Was ist der Pupillenabstand?

Der Pupillenabstand beschreibt die horizontale Entfernung von der Mitte der einen Pupille zur Mitte der anderen, gemessen beim Blick geradeaus in die Ferne. Englisch spricht man von pupillary distance oder interpupillary distance, daher die Abkürzung PD bzw. IPD. In der deutschen Augenoptik wird für die Zentrierung meist der Begriff Pupillendistanz verwendet.

Der Wert ist individuell und hängt von der Gesichtsform, der Kopfbreite und dem Alter ab. Bei Frauen ist er im Durchschnitt etwas kleiner als bei Männern. Bei Kindern nimmt er mit dem Wachstum zu und erreicht im Jugendalter weitgehend den Erwachsenenwert. Danach bleibt er praktisch konstant – anders als die Brillenstärke, die sich im Laufe des Lebens verändern kann.

Warum der PD so wichtig ist

Jedes Brillenglas bricht das Licht in seinem optischen Mittelpunkt ohne seitliche Ablenkung. Weiter außen wirkt es zusätzlich wie ein Prisma: Es lenkt das Licht ab, und zwar umso stärker, je stärker das Glas ist und je weiter der Blick vom Mittelpunkt entfernt ist. Diesen Zusammenhang beschreibt die Prentice-Regel: Prismatische Wirkung (in Prismendioptrien) entspricht der Dezentrierung in Zentimetern mal der Glasstärke in Dioptrien.

GlasstärkeDezentrierung je AugeUngewollte Prismenwirkung
±1,00 dpt2 mm0,2 cm/m – meist unbemerkt
±3,00 dpt2 mm0,6 cm/m – bei Empfindlichen spürbar
±6,00 dpt2 mm1,2 cm/m – häufig Beschwerden
±6,00 dpt4 mm2,4 cm/m – deutliche Belastung

Die Augen können kleine prismatische Abweichungen ausgleichen, indem sie leicht nach innen oder außen schwenken. Größere Abweichungen kosten jedoch Kraft. Typische Folgen einer falschen Zentrierung sind Kopfschmerzen, Augenbrennen, das Gefühl, dass die Brille zieht, Schwindel, Probleme mit dem räumlichen Sehen und im Extremfall Doppelbilder. Für schwache Gläser verzeiht die Norm eine gewisse Toleranz, bei hohen Stärken wird der PD dagegen immer kritischer. Wie Glasstärken auf dem Rezept angegeben werden, erklärt unser Ratgeber zum Brillenrezept.

Binokulare und monokulare PD

Binokulare PD (Gesamt-PD)

Die binokulare PD ist ein einziger Wert für den Gesamtabstand, zum Beispiel PD 64. Sie geht stillschweigend davon aus, dass beide Augen gleich weit von der Nasenmitte entfernt sind. Bei Fertiglesebrillen wird ein Durchschnittswert von etwa 62 bis 64 Millimetern zugrunde gelegt.

Monokulare PD (Einzel-PD)

Die monokulare PD misst für jedes Auge einzeln den Abstand von der Pupillenmitte zur Mitte des Nasenrückens, zum Beispiel R 31,0 / L 33,0. Zusammen ergibt das ebenfalls 64 Millimeter – doch die Gläser werden unterschiedlich zentriert. Da kaum ein Gesicht perfekt symmetrisch ist und die Nase nicht immer exakt in der Mitte sitzt, ist die monokulare PD genauer. Für Gleitsichtgläser, höhere Stärken und Gläser mit Zylinder ist sie Standard.

Ein Unterschied von ein bis zwei Millimetern zwischen rechter und linker Einzel-PD ist völlig normal und kein Hinweis auf ein Problem. Er zeigt lediglich, dass Ihr Gesicht – wie fast jedes – leicht asymmetrisch ist.

Fern-PD und Nah-PD

Wenn Sie in die Ferne schauen, stehen Ihre Sehachsen nahezu parallel. Beim Lesen dagegen drehen sich beide Augen leicht nach innen, damit sie auf denselben nahen Punkt gerichtet sind – das nennt man Konvergenz. Dadurch verringert sich der Pupillenabstand. Die Nah-PD liegt typischerweise etwa drei bis vier Millimeter unter der Fern-PD.

  • Fernbrille: Zentrierung nach der Fern-PD.
  • Lesebrille: Zentrierung nach der Nah-PD, sonst schauen Sie beim Lesen neben den optischen Zentren hindurch.
  • Bildschirmbrille: Ein Wert zwischen Fern- und Nah-PD, abhängig vom Monitorabstand.
  • Gleitsichtbrille: Zentrierung nach der Fern-PD; der Nahbereich ist im Glasdesign bereits nach innen versetzt.

Wer online eine Lesebrille bestellt und dabei seine Fern-PD angibt, erhält deshalb unter Umständen eine nicht optimal zentrierte Brille. Mehr zu Lesebrillen finden Sie im Ratgeber Lesebrille.

Wie der Augenoptiker misst

Beim Augenoptiker gibt es mehrere Methoden, die sich in Genauigkeit und Aufwand unterscheiden:

  1. Pupillometer: Ein Gerät, das wie ein Fernglas vor die Augen gehalten wird. Sie schauen auf einen Lichtpunkt, der Optiker sieht die Hornhautreflexe und stellt Markierungen darauf ein. Das Gerät zeigt die monokulare Fern- und oft auch Nah-PD an.
  2. Video-Zentriersystem: Eine Kamera fotografiert Sie mit der gewählten Fassung. Eine Software ermittelt Einzel-PD, Einschleifhöhe, Fassungsvorneigung, Hornhautscheitelabstand und Fassungsscheibenwinkel. Diese Methode ist besonders für Gleitsicht- und individuelle Gläser verbreitet.
  3. Anzeichnen auf der Fassung: Der Optiker markiert die Pupillenmitten direkt auf den Stützscheiben der Fassung, während Sie geradeaus schauen. Diese klassische Methode berücksichtigt den tatsächlichen Sitz der Brille.
  4. PD-Lineal: Ein Millimeterlineal wird auf die Nasenwurzel gesetzt; der Optiker visiert die Pupillen an. Einfach und schnell, aber weniger genau.

Entscheidend ist, dass bei Gleitsichtgläsern nicht nur der PD, sondern auch die Einschleifhöhe mit der fertig angepassten Fassung gemessen wird. Deshalb sitzt die Brille bei der Messung bereits so, wie sie später getragen wird.

PD zu Hause messen: geht das?

Für eine einfache Einstärkenbrille mit niedriger Stärke können Sie den PD zur Not selbst bestimmen. Rechnen Sie dabei mit einer Ungenauigkeit von ein bis zwei Millimetern.

Methode mit Lineal und Spiegel

  1. Stellen Sie sich in etwa 20 Zentimetern Abstand vor einen Spiegel und halten Sie ein Millimeterlineal waagerecht an die Stirn, direkt über den Augen.
  2. Schließen Sie das rechte Auge und richten Sie die Null des Lineals mit dem linken Auge auf die Mitte Ihrer linken Pupille aus.
  3. Schließen Sie das linke Auge, öffnen Sie das rechte und lesen Sie ab, welcher Wert über der Mitte der rechten Pupille liegt – ohne den Kopf oder das Lineal zu bewegen.
  4. Wiederholen Sie die Messung drei- bis viermal und bilden Sie den Mittelwert.

Mit Hilfe einer zweiten Person

Genauer wird es, wenn eine zweite Person misst. Sie setzt sich auf Augenhöhe in etwa 40 Zentimeter Abstand vor Sie. Sie schauen auf ihr linkes Auge, während sie das Lineal an Ihrem rechten Pupillenmittelpunkt auf Null setzt; dann schauen Sie auf ihr rechtes Auge, und sie liest den Wert an Ihrer linken Pupille ab. Auf diese Weise wird die Konvergenz minimiert. Da Sie dabei auf eine relativ nahe Person schauen, sollten Sie für die Fern-PD etwa zwei bis drei Millimeter addieren oder in die Ferne über ihre Schulter blicken.

Apps und Online-Tools

Es gibt Smartphone-Apps und Webseiten, die den PD per Kamera und einer Referenzgröße, etwa einer Kreditkarte, ermitteln. Ihre Genauigkeit ist sehr unterschiedlich und hängt stark von Licht, Kamerawinkel und der korrekten Haltung ab. Für Gleitsicht oder höhere Stärken ersetzen sie keine professionelle Messung.

Fragen Sie bei Ihrem Augenoptiker nach Ihren PD-Werten – idealerweise monokular und getrennt für Ferne und Nähe. Viele tragen die Werte gern in den Brillenpass ein. Bewahren Sie sie zusammen mit Ihrer Verordnung auf.

PD und Gleitsichtgläser

Bei Gleitsichtgläsern ist eine exakte Zentrierung besonders wichtig. Diese Gläser haben einen Fernbereich oben, einen schmalen Progressionskanal in der Mitte und einen Nahbereich unten. Seitlich davon liegen Zonen mit unvermeidbaren Unschärfen. Der Progressionskanal ist nur wenige Millimeter breit.

Liegt der Kanal auch nur zwei bis drei Millimeter neben der Blickachse, schauen Sie beim Lesen oder am Bildschirm nicht durch den scharfen Korridor, sondern in den unscharfen Randbereich. Typische Folgen sind:

  • Das Nahsehen ist eingeschränkt, Sie müssen den Kopf drehen, um scharf zu sehen.
  • Ein Auge sieht scharf, das andere nicht – das beidäugige Sehen ist gestört.
  • Schwindel, Schaukeleffekte und eine lange oder erfolglose Eingewöhnung.

Neben der monokularen PD sind bei Gleitsicht auch die Einschleifhöhe (vertikale Position der Pupille in der Fassung), die Fassungsvorneigung und der Hornhautscheitelabstand wichtig. Deshalb raten Fachleute davon ab, Gleitsichtbrillen mit selbst gemessenen Werten online zu bestellen. Tipps für die Eingewöhnung finden Sie im Beitrag Eingewöhnung an Gleitsichtgläser, die verschiedenen Glastypen im Ratgeber Brillenglastypen.

Besondere Situationen

Kinder

Bei Kindern verändert sich der PD mit dem Wachstum. Bei jeder neuen Kinderbrille sollte er daher neu gemessen werden. Kleine Kinder können schlecht stillhalten oder fixieren, was die Messung anspruchsvoll macht. Mehr zur Brillenversorgung im Kindesalter im Ratgeber Kinderbrillen.

Schielen und Fehlstellungen

Bei Schielen oder einer deutlichen Fehlstellung eines Auges kann die PD-Messung erschwert sein, weil ein Auge nicht geradeaus schaut. Hier misst man jedes Auge einzeln, während das andere abgedeckt wird. Eine Abklärung durch Augenarzt oder Orthoptistin ist wichtig.

Starke Gläser

Bei hoher Kurz- oder Weitsichtigkeit wirkt sich jeder Millimeter Abweichung stärker aus. Hier sind eine professionelle Messung mit der getragenen Fassung und gegebenenfalls eine Berücksichtigung von Vorneigung und Hornhautscheitelabstand besonders wichtig.

Fassungswahl

Der PD beeinflusst auch, welche Fassung gut passt. Liegen die Pupillen bei einer sehr breiten Fassung weit innen, müssen die Gläser stark dezentriert werden, was bei Minusgläsern dicke Ränder außen und bei Plusgläsern mehr Gewicht bedeuten kann. Eine Fassung, deren Mitte gut zu Ihrem PD passt, ergibt dünnere, leichtere und optisch bessere Gläser. Mehr dazu im Fassungsratgeber.

Wann zum Augenarzt oder Optiker?

Wenn Sie mit einer neuen Brille Kopfschmerzen, Schwindel, ein Ziehen in den Augen oder Doppelbilder bemerken, sollte zuerst die Zentrierung überprüft werden – oft ist ein falsch gemessener PD die Ursache. Ein Augenoptiker kann mit einem Scheitelbrechwertmesser kontrollieren, ob die optischen Mittelpunkte richtig sitzen. Bleiben Beschwerden trotz korrekter Brille bestehen, ist eine augenärztliche Untersuchung sinnvoll.

Sofort ärztlich abklären: plötzlich auftretende Doppelbilder, die auch ohne Brille bestehen, ein hängendes Augenlid, ungleich große Pupillen, plötzliche Sehverschlechterung oder starke Kopf- und Augenschmerzen. Diese Symptome haben nichts mit der Brillenzentrierung zu tun und können auf eine ernste Erkrankung hinweisen.

Häufig gestellte Fragen

Wie groß ist ein normaler Pupillenabstand?

Bei Erwachsenen liegt der Pupillenabstand meist zwischen etwa 54 und 74 Millimetern. Bei Kindern ist er kleiner und wächst mit. Es gibt keinen richtigen oder falschen Wert – wichtig ist nur, dass die Brille darauf abgestimmt ist.

Was ist der Unterschied zwischen binokularer und monokularer PD?

Die binokulare PD ist der Gesamtabstand zwischen beiden Pupillen. Die monokulare PD misst jede Seite einzeln zur Nasenmitte. Sie ist genauer, weil Gesichter selten symmetrisch sind, und wird vor allem für Gleitsicht und höhere Stärken verwendet.

Warum steht der PD nicht auf meinem Rezept?

Der PD wird meist beim Augenoptiker gemessen, weil er mit der gewählten Fassung bestimmt wird. Viele Augenärzte tragen ihn deshalb nicht ein. Sie können Ihren Optiker bitten, die Werte im Brillenpass zu notieren.

Kann ich meinen PD selbst messen?

Mit Lineal und Spiegel oder einer Hilfsperson ist das für einfache Einstärkenbrillen mit niedriger Stärke möglich. Rechnen Sie aber mit ein bis zwei Millimetern Ungenauigkeit. Für Gleitsicht- und starke Gläser ist eine professionelle Messung nötig.

Was passiert, wenn der PD falsch ist?

Dann schauen Sie neben den optischen Mittelpunkten durch die Gläser, und es entsteht eine ungewollte Prismenwirkung. Mögliche Folgen sind Kopfschmerzen, müde Augen, Schwindel oder Doppelbilder. Je stärker die Gläser, desto stärker wirkt sich ein Fehler aus.

Ändert sich der PD im Laufe des Lebens?

Bei Kindern wächst er mit. Bei Erwachsenen bleibt er praktisch gleich. Dennoch wird er bei jeder neuen Brille neu gemessen, weil die Zentrierung auch von der Fassung abhängt.

Brauche ich für die Lesebrille einen anderen PD?

Ja. Beim Lesen schwenken die Augen nach innen, sodass die Nah-PD etwa drei bis vier Millimeter kleiner ist als die Fern-PD. Lesebrillen sollten nach der Nah-PD zentriert werden.

Quellen
  • American Academy of Ophthalmology – What Is Pupillary Distance?
  • DIN EN ISO 21987 – Ophthalmische Optik: Fassungen mit montierten Brillengläsern (Toleranzen)
  • DIN EN ISO 13666 – Ophthalmische Optik, Brillengläser: Vokabular
  • College of Optometrists (UK) – Guidance on dispensing and pupillary distance
  • Jalie M – The Principles of Ophthalmic Lenses, Association of British Dispensing Opticians
  • Zentralverband der Augenoptiker und Optometristen (ZVA) – Zentrierung von Brillengläsern

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