Augengymnastik

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Augen-Make-up sicher verwenden: So schützen Sie Ihre Augen

Kajal auf der Wasserlinie, Wimpernkleber, Wimpernseren: Welche Make-up-Gewohnheiten die Augen gefährden und wie Sie Mascara, Eyeliner und Co. sicher verwenden.

7 Min. Lesezeit Redaktion

Mascara, Eyeliner, Lidschatten und Kajal gehören für viele Menschen zur täglichen Routine. Kaum ein anderes Kosmetikprodukt wird so nah an einem so empfindlichen Organ aufgetragen. Zwischen Wimpernkranz und Augenoberfläche liegen nur wenige Millimeter, und genau dort befinden sich die winzigen Öffnungen der Drüsen, die unseren Tränenfilm stabil halten. Es überrascht daher nicht, dass Augenärztinnen und Augenärzte regelmäßig Beschwerden sehen, die mit Make-up zusammenhängen: von gereizten Lidrändern über Allergien bis hin zu Hornhautverletzungen und Infektionen.

Die gute Nachricht ist: Mit einigen einfachen Regeln lässt sich das Risiko deutlich senken, ohne auf Make-up verzichten zu müssen. In diesem Beitrag erfahren Sie, welche Gewohnheiten problematisch sind, wie lange Produkte haltbar sind, was bei Wimpernverlängerungen und Wimpernseren zu beachten ist und bei welchen Beschwerden Sie ärztlichen Rat suchen sollten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Kajal oder Eyeliner auf der inneren Lidkante (Wasserlinie) kann die Meibom-Drüsen verstopfen und Partikel in den Tränenfilm bringen.
  • Mascara und flüssige Eyeliner nach etwa drei Monaten ersetzen – und sofort nach einer Augeninfektion.
  • Augen-Make-up niemals mit anderen teilen, auch keine Tester im Geschäft direkt am Auge verwenden.
  • Abends immer gründlich abschminken; Make-up-Reste über Nacht begünstigen Lidrandentzündungen.
  • Wimpernverlängerungen und Kleber können allergische Reaktionen und Entzündungen auslösen.
  • Wimpernseren mit Prostaglandin-ähnlichen Wirkstoffen können Nebenwirkungen wie Lidverfärbung und Rötung haben und die Augeninnendruckmessung beeinflussen.

Die Wasserlinie und die Meibom-Drüsen

Am Lidrand, direkt hinter den Wimpern, liegen bei jedem Menschen in Ober- und Unterlid zahlreiche feine Drüsenöffnungen. Sie gehören zu den Meibom-Drüsen, die eine ölige Substanz absondern. Dieses Fett bildet die äußerste Schicht des Tränenfilms und verhindert, dass die wässrige Tränenflüssigkeit zu schnell verdunstet. Funktionieren die Drüsen nicht richtig, spricht man von einer Meibom-Drüsen-Dysfunktion – einer der häufigsten Ursachen des trockenen Auges.

Wird Kajal oder Eyeliner auf die innere Lidkante aufgetragen (im Englischen tightlining oder waterlining genannt), gelangt das Produkt direkt auf diese Drüsenöffnungen. Studien, in denen die Bewegung von Make-up-Partikeln untersucht wurde, zeigten, dass Eyeliner von der Wasserlinie innerhalb kurzer Zeit in deutlich größerer Menge in den Tränenfilm wandert als Eyeliner, der außerhalb der Wimpernlinie aufgetragen wurde. Die Partikel können die Augenoberfläche reizen, Kontaktlinsen verschmutzen und auf Dauer zur Verstopfung der Drüsen beitragen.

Wenn Sie auf einen betonten Augenrand nicht verzichten möchten: Tragen Sie Eyeliner außerhalb der Wimpernlinie auf, also auf der Haut vor den Wimpern. Das wirkt optisch ähnlich und hält die Drüsenöffnungen frei. Wer zu trockenen Augen oder Lidrandentzündungen neigt, sollte die Wasserlinie ganz aussparen.

Haltbarkeit: Make-up läuft ab

Augen-Make-up ist ein idealer Lebensraum für Bakterien und Pilze. Jedes Mal, wenn das Mascarabürstchen über die Wimpern streicht und zurück in die Hülse gesteckt wird, gelangen Keime von der Haut ins Produkt. Konservierungsstoffe halten das eine Zeitlang in Schach, verlieren aber mit der Zeit an Wirkung. Besonders flüssige und cremige Produkte sind betroffen.

Auf der Verpackung finden Sie meist ein Symbol mit einem geöffneten Tiegel und einer Zahl wie 6M oder 12M. Diese Angabe (Period After Opening) bezeichnet, wie lange das Produkt nach dem Öffnen verwendet werden kann. Für Augenprodukte empfehlen Augenärzte häufig kürzere Zeiträume als bei anderen Kosmetika:

ProduktEmpfohlene Verwendungsdauer nach ÖffnenHinweis
Mascaraetwa 3 MonateNicht pumpen, das drückt Luft und Keime hinein
Flüssiger Eyelineretwa 3 MonatePinsel nach Gebrauch gut verschließen
Kajal- und Konturenstifteetwa 1 JahrVor Gebrauch anspitzen, Spitzer reinigen
Puderlidschattenetwa 1 bis 2 JahrePinsel regelmäßig waschen
Cremelidschattenetwa 6 bis 12 MonateNicht mit den Fingern entnehmen
Make-up-Pinsel und SchwämmchenRegelmäßig reinigenMindestens alle ein bis zwei Wochen

Unabhängig vom Datum gilt: Verändert ein Produkt Geruch, Farbe oder Konsistenz, wird es entsorgt. Verdünnen Sie eingetrocknete Mascara niemals mit Wasser oder gar Speichel – dabei gelangen massenhaft Keime ins Produkt.

Nach einer Augeninfektion: alles austauschen

Hatten Sie eine Bindehautentzündung, ein Gerstenkorn oder eine andere Augeninfektion, entsorgen Sie alle Augenprodukte, die Sie in dieser Zeit benutzt haben. Sonst riskieren Sie, sich erneut anzustecken. Während einer akuten Entzündung sollten Sie ganz auf Augen-Make-up verzichten.

Make-up nicht teilen

Was unter Freundinnen selbstverständlich wirkt, ist aus augenärztlicher Sicht keine gute Idee: Mascara, Kajal und Eyeliner sollten niemals geteilt werden. Mit dem Produkt werden auch Bakterien, Viren und gelegentlich Parasiten wie Haarbalgmilben weitergegeben. Besonders ansteckend ist die virale Bindehautentzündung durch Adenoviren.

  • Verwenden Sie Tester in Drogerien und Kaufhäusern nicht direkt am Auge. Fragen Sie nach Einmalapplikatoren oder testen Sie auf dem Handrücken.
  • Bei professionellen Make-up-Terminen sollten Einmalbürstchen und frisch gereinigte Pinsel selbstverständlich sein.
  • Lassen Sie sich nicht von Freundinnen schminken, wenn diese Erkältungssymptome oder gerötete Augen haben.

Abschminken: der wichtigste Schritt am Abend

Wer mit Make-up schläft, lässt über Stunden Pigmente, Öle und Keime am Lidrand. Mascara-Krümel können ins Auge fallen und die Hornhaut reizen, Rückstände verstopfen die Drüsen und nähren Bakterien und Milben. Das begünstigt eine Lidrandentzündung (Blepharitis), Gerstenkörner und Hagelkörner. Langfristig kann sich Pigment sogar in die Bindehaut einlagern, was Augenärzte gelegentlich als dunkle Flecken bei der Untersuchung sehen.

  1. Verwenden Sie einen milden, augengeeigneten Make-up-Entferner. Für wasserfeste Produkte eignen sich ölhaltige Zweiphasenentferner.
  2. Legen Sie ein getränktes Wattepad für einige Sekunden auf das geschlossene Auge, damit sich das Make-up lösen kann.
  3. Wischen Sie sanft in Richtung der Wimpern nach unten und außen, ohne zu reiben.
  4. Entfernen Sie Reste am Wimpernansatz mit einem angefeuchteten Wattestäbchen, ohne die Wasserlinie zu berühren.
  5. Spülen Sie mit lauwarmem Wasser nach, damit keine öligen Rückstände auf den Augen bleiben.

Wer häufig zu verklebten oder geröteten Lidrändern neigt, profitiert von einer täglichen Lidrandpflege mit warmen Kompressen. Eine Anleitung finden Sie in der Übung Warme Kompresse.

Wimpernverlängerung und Wimpernkleber

Künstliche Wimpern und Wimpernextensions sind sehr beliebt. Bei den Extensions werden einzelne synthetische Härchen mit einem Spezialkleber an die eigenen Wimpern geklebt. Die meisten dieser Kleber enthalten Cyanacrylate, aus denen beim Aushärten geringe Mengen Formaldehyd freigesetzt werden können. Beides kann Reizungen und allergische Reaktionen auslösen.

Mögliche Probleme

  • Allergische Reaktionen und Kontaktekzeme: Schwellung, Rötung, Juckreiz und Tränen der Lider, teils erst Stunden nach dem Termin.
  • Bindehaut- und Hornhautreizung: Dämpfe des Klebers oder versehentlicher Kontakt können eine chemische Reizung verursachen.
  • Infektionen: Zwischen den Extensions sammeln sich Schmutz, Talg und Make-up, die schwer zu reinigen sind. Das fördert Lidrandentzündungen und Milbenbefall.
  • Wimpernverlust: Das zusätzliche Gewicht und häufiges Auffüllen können die Wimpernfollikel belasten, was zu vorübergehendem oder selten dauerhaftem Wimpernausfall (Traktionsalopezie) führt.
  • Hornhautverletzungen: Abstehende oder schlecht platzierte Extensions können das Auge mechanisch reizen.

Wenn Sie Wimpernextensions möchten: Wählen Sie ein Studio mit nachweislich geschultem Personal und guter Hygiene, fragen Sie nach einem Allergietest und tragen Sie während der Behandlung keine Kontaktlinsen. Reinigen Sie die Wimpern danach täglich mit einem geeigneten ölfreien Reiniger. Bei Brennen, Schwellung oder Schmerzen sollten die Extensions professionell entfernt werden – niemals selbst herausreißen.

Auch Wimpernlifting und Wimpernfärben bergen Risiken: Die verwendeten Chemikalien können ins Auge gelangen und Verätzungen verursachen. Farbstoffe für Wimpern und Augenbrauen haben in der Vergangenheit schwere allergische Reaktionen ausgelöst, besonders wenn sie Stoffe wie p-Phenylendiamin (PPD) enthielten.

Wimpernseren: Was die Wirkstoffe können

Wimpernseren versprechen längere, dichtere Wimpern. Viele wirksame Produkte enthalten Prostaglandin-Analoga oder chemisch verwandte Stoffe. Diese Wirkstoffgruppe ist in der Augenheilkunde gut bekannt: Sie wird als Augentropfen zur Behandlung des Glaukoms eingesetzt, und das Wimpernwachstum wurde dabei zunächst als Nebenwirkung entdeckt. Ein Präparat mit Bimatoprost ist in einigen Ländern als Arzneimittel zur Behandlung zu kurzer Wimpern zugelassen. Kosmetische Seren enthalten oft abgewandelte Wirkstoffe, deren Sicherheit weniger gut untersucht ist.

Bekannte Nebenwirkungen

  • Rötung und Juckreiz der Augen
  • Dunkle Verfärbung der Lidhaut, die sich nach dem Absetzen meist zurückbildet
  • Bei hellen, gemischten Augenfarben eine mögliche dauerhafte Verdunkelung der Iris, wenn der Wirkstoff ins Auge gelangt
  • Abbau des Fettgewebes um das Auge, wodurch die Augen eingesunken wirken können (beschrieben vor allem bei Glaukompatienten mit Tropfen)
  • Haarwachstum an Stellen, die versehentlich mit dem Serum in Berührung kommen

Ein wichtiger Punkt für die Augengesundheit: Prostaglandin-Analoga senken den Augeninnendruck. Wer regelmäßig ein solches Serum benutzt, kann bei der Glaukomvorsorge falsch niedrige Werte aufweisen. Informieren Sie Ihre Augenärztin daher immer, wenn Sie ein Wimpernserum verwenden. Menschen, die bereits wegen eines Glaukoms behandelt werden, Schwangere sowie Menschen mit Augenentzündungen sollten solche Produkte nur nach ärztlicher Rücksprache verwenden.

Kontaktlinsen und Make-up

Kontaktlinsenträgerinnen sollten einige zusätzliche Regeln beachten, da sich Make-up-Partikel an der Linse festsetzen können:

  • Linsen vor dem Schminken einsetzen und vor dem Abschminken herausnehmen.
  • Ölfreie, als augenärztlich getestet gekennzeichnete Produkte bevorzugen.
  • Faserhaltige Verlängerungs-Mascara vermeiden, da Fasern ins Auge fallen können.
  • Lose Puder und Glitzerlidschatten mit Vorsicht verwenden.
  • Hände vor jedem Kontakt mit Linsen gründlich waschen und von Cremerückständen befreien.

Weitere Hinweise zur Hygiene finden Sie im Beitrag Kontaktlinsenhygiene: 12 Fehler, die Sie vermeiden sollten.

Sicher schminken: Die wichtigsten Regeln

  1. Nur Produkte aus seriösen Quellen verwenden; gefälschte Kosmetik kann verunreinigt sein.
  2. Nie während der Autofahrt oder in einem schwankenden Verkehrsmittel schminken – ein Stoß mit dem Mascarabürstchen kann die Hornhaut verletzen.
  3. Keine Farben verwenden, die nicht für den Augenbereich zugelassen sind, etwa Bastelglitzer oder bestimmte Pigmente.
  4. Bei bekannten Allergien Inhaltsstoffe prüfen und neue Produkte zuerst in der Ellenbeuge testen.
  5. Bei gereizten, roten Augen pausieren, bis die Beschwerden abgeklungen sind.
  6. Nach Augenoperationen, etwa einer Laserbehandlung oder Kataraktoperation, die ärztlich empfohlene Make-up-Pause einhalten.

Wann Sie zum Augenarzt sollten

Leichtes Brennen nach einem neuen Produkt verschwindet meist, sobald Sie es nicht mehr verwenden. Einige Beschwerden sollten jedoch ärztlich untersucht werden.

Suchen Sie umgehend ärztliche Hilfe bei: starken Augenschmerzen, plötzlicher Sehverschlechterung oder Lichtempfindlichkeit, besonders nach einer Verletzung mit Mascarabürstchen oder Pinsel; Chemikalien wie Wimpernkleber oder Wimpernfarbe im Auge (sofort 10 bis 15 Minuten mit Wasser spülen und dann in die Augenklinik); starker Schwellung von Lidern und Gesicht nach einer Kosmetikbehandlung, insbesondere mit Atemnot (Notruf 112); eitriger Absonderung oder einem roten, schmerzhaften Auge bei Kontaktlinsenträgern.

Vereinbaren Sie außerdem einen Termin, wenn Sie häufig verklebte, gerötete Lidränder, wiederkehrende Gerstenkörner, anhaltend trockene Augen oder auffälligen Wimpernverlust bemerken. Eine Übersicht über akute Situationen und Erste-Hilfe-Maßnahmen bietet unser Ratgeber Augennotfälle und Erste Hilfe.

Häufig gestellte Fragen

Ist Kajal auf der Wasserlinie schädlich?

Es ist nicht akut gefährlich, kann aber die Öffnungen der Meibom-Drüsen verstopfen und Pigmentpartikel in den Tränenfilm bringen. Das kann trockene Augen und Reizungen verstärken. Schonender ist es, den Eyeliner außerhalb der Wimpernlinie aufzutragen.

Wie oft sollte ich meine Mascara austauschen?

Augenärzte empfehlen, Mascara und flüssigen Eyeliner etwa alle drei Monate zu ersetzen. Nach einer Augeninfektion sollten Sie die Produkte sofort entsorgen. Riecht oder verändert sich ein Produkt, gehört es ebenfalls in den Müll.

Was passiert, wenn ich mit Make-up schlafe?

Make-up-Reste können die Lidranddrüsen verstopfen, Bakterien und Milben fördern und Partikel ins Auge bringen. Das begünstigt Lidrandentzündungen, Gerstenkörner und Reizungen. Gründliches Abschminken am Abend ist deshalb wichtig.

Sind Wimpernextensions gefährlich?

Bei sorgfältiger Anwendung sind sie für viele Menschen verträglich. Möglich sind jedoch allergische Reaktionen auf den Kleber, Reizungen, Lidrandentzündungen und Wimpernverlust. Bei Schmerzen oder Schwellung sollten die Extensions professionell entfernt und die Augen untersucht werden.

Können Wimpernseren die Augenfarbe verändern?

Seren mit Prostaglandin-ähnlichen Wirkstoffen können, wenn sie ins Auge gelangen, bei manchen Menschen mit gemischten Augenfarben die Iris dauerhaft dunkler machen. Häufiger sind Lidverfärbungen und Rötungen. Informieren Sie Ihre Augenärztin über die Verwendung, da solche Seren auch den Augeninnendruck senken können.

Darf ich mich mit Kontaktlinsen schminken?

Ja, wenn Sie einige Regeln beachten: Linsen vor dem Schminken einsetzen und vor dem Abschminken herausnehmen, ölfreie Produkte verwenden und auf Fasermascara und losen Glitzer verzichten. Saubere Hände sind besonders wichtig.

Quellen
  • American Academy of Ophthalmology – Eye Makeup Safety (patient information)
  • Ng A, Evans K, North RV, Jones L, Purslow C. Impact of eye cosmetics on the eye, adnexa, and ocular surface. Eye & Contact Lens, 2016
  • Ng A, Evans K, North R, Purslow C. Migration of cosmetic products into the tear film. Eye & Contact Lens, 2015
  • U.S. Food and Drug Administration – Eye Cosmetic Safety
  • TFOS Lifestyle Report: Impact of cosmetics on the ocular surface (Ocular Surface, 2023)
  • Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 über kosmetische Mittel (EU-Kosmetikverordnung) – Kennzeichnung der Verwendungsdauer nach dem Öffnen

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