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Kontaktlinsenhygiene: 12 Fehler, die Sie vermeiden sollten

Die meisten schweren Hornhautinfektionen bei Kontaktlinsenträgern lassen sich durch gute Hygiene vermeiden. Diese 12 Fehler sollten Sie kennen und abstellen.

7 Min. Lesezeit Redaktion

Kontaktlinsen sind für viele Menschen eine praktische Alternative zur Brille: Sie beschlagen nicht, schränken das Blickfeld nicht ein und sind beim Sport ideal. Richtig angepasst und gepflegt sind sie sehr sicher. Doch eine Kontaktlinse ist ein Fremdkörper, der direkt auf der Hornhaut liegt, und sie kann Keime genau dorthin bringen, wo das Auge am verletzlichsten ist. Die gefürchtetste Komplikation ist eine Hornhautentzündung durch Bakterien, Pilze oder Akanthamöben (mikrobielle Keratitis), die im schlimmsten Fall zu dauerhafter Sehminderung führen kann.

Das Beruhigende: Die meisten dieser Infektionen hängen mit vermeidbaren Hygienefehlern zusammen. Fachgesellschaften wie die American Academy of Ophthalmology und die US-Gesundheitsbehörde CDC weisen darauf hin, dass ein großer Teil der Kontaktlinsenträger mindestens eine riskante Gewohnheit hat. Im Folgenden stellen wir die zwölf häufigsten Fehler vor, erklären, warum sie gefährlich sind, und zeigen, wie Sie es besser machen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Schlafen mit Kontaktlinsen ist der größte einzelne Risikofaktor für schwere Hornhautinfektionen.
  • Kontaktlinsen dürfen nie mit Leitungswasser in Berührung kommen. Wasser kann Akanthamöben enthalten.
  • Pflegelösung immer komplett erneuern, nie nachfüllen, und den Behälter regelmäßig ersetzen.
  • Tragedauer und Austauschintervall einhalten. Tageslinsen sind nur für einen Tag gedacht.
  • Kosmetische Farblinsen ohne Anpassung sind besonders riskant.
  • Ein rotes, schmerzendes, lichtempfindliches Auge ist bei Linsenträgern ein Notfall: Linse heraus und am selben Tag zum Augenarzt.

Warum Hygiene bei Kontaktlinsen so wichtig ist

Die Hornhaut ist normalerweise gut geschützt: Der Tränenfilm spült Keime weg, das Blinzeln reinigt die Oberfläche, und die oberste Zellschicht bildet eine Barriere. Eine Kontaktlinse verändert diese Bedingungen. Unter der Linse ist der Tränenaustausch verringert, die Sauerstoffversorgung kann sinken, und kleinste Verletzungen der Oberfläche entstehen leichter. Gelangen dann Keime auf die Linse, etwa über verschmutzte Finger, einen kontaminierten Behälter oder Wasser, finden sie ideale Bedingungen.

Besonders tückisch sind Biofilme: Bakterien bilden auf Linsen und in Behältern einen schleimigen Belag, in dem sie vor Desinfektionsmitteln geschützt sind. Deshalb reicht es nicht, Linsen nur in Lösung zu legen. Reinigung, Abspülen, Trocknung und regelmäßiger Austausch gehören zusammen. Einen umfassenden Überblick über Linsentypen gibt unser Kontaktlinsen-Ratgeber.

Die 12 häufigsten Fehler

1. Mit Kontaktlinsen schlafen

Schon ein gelegentliches Nickerchen mit Linsen erhöht das Infektionsrisiko, regelmäßiges Schlafen mit Linsen vervielfacht es. Im Schlaf ist das Auge geschlossen, die Sauerstoffversorgung der Hornhaut sinkt, und der Tränenaustausch kommt fast zum Erliegen. Die Hornhaut wird anfälliger, und Keime auf der Linse haben Stunden Zeit, sich zu vermehren. Selbst Linsen, die für das Tragen über Nacht zugelassen sind, haben ein höheres Infektionsrisiko als Linsen, die nur tagsüber getragen werden. Nehmen Sie Ihre Linsen vor jedem Schlaf heraus, auch vor einem kurzen Nickerchen im Zug oder auf dem Sofa.

2. Linsen mit Leitungswasser abspülen oder aufbewahren

Leitungswasser ist nicht steril. Es kann Akanthamöben enthalten, einzellige Organismen, die in Wasserleitungen, Schwimmbädern, Seen und sogar in Duschköpfen vorkommen. Für gesunde Augen ohne Linse sind sie meist harmlos. Auf einer Kontaktlinse können sie sich jedoch festsetzen und eine Akanthamöben-Keratitis auslösen. Diese Infektion ist sehr schmerzhaft, schwer zu diagnostizieren und oft monatelang zu behandeln. In schweren Fällen kann eine Hornhauttransplantation nötig werden. Verwenden Sie für Linsen und Behälter ausschließlich die empfohlene Pflegelösung, niemals Wasser.

3. Mit Linsen duschen, schwimmen oder in die Sauna

Aus dem gleichen Grund sollten Linsen nicht mit Wasser in Kontakt kommen, ob beim Duschen, Haarewaschen, im Schwimmbad, im Whirlpool oder im Meer. Wenn Sie beim Schwimmen nicht auf gutes Sehen verzichten möchten, ist eine Schwimmbrille mit Sehstärke die sicherste Lösung. Wer trotzdem Linsen trägt, sollte eine dicht schließende Schwimmbrille darüber tragen und Tageslinsen nach dem Schwimmen sofort entsorgen. Mehr dazu lesen Sie in Schwimmen und Ihre Augen.

4. Pflegelösung nachfüllen statt erneuern

Die Lösung im Behälter verliert nach dem Gebrauch an Desinfektionskraft und enthält Keime und Ablagerungen von der Linse. Wer einfach frische Lösung auf die alte gießt (Topping off), verdünnt das Desinfektionsmittel und schafft einen idealen Nährboden. Schütten Sie die alte Lösung jeden Morgen weg und füllen Sie abends ausschließlich frische Lösung ein.

5. Den Behälter nicht reinigen und nicht austauschen

Der Kontaktlinsenbehälter ist oft die größte Keimquelle. Spülen Sie ihn nach dem Herausnehmen der Linsen mit frischer Pflegelösung aus, nicht mit Wasser. Lassen Sie ihn offen und kopfüber auf einem sauberen Tuch an der Luft trocknen. Ersetzen Sie den Behälter regelmäßig, mindestens alle drei Monate, bei vielen Pflegesystemen mit jeder neuen Flasche Lösung.

6. Linsen länger tragen als vorgesehen

Monatslinsen sind für etwa einen Monat ab dem ersten Öffnen gedacht, Zwei-Wochen-Linsen für zwei Wochen, Tageslinsen für einen einzigen Tag. Wer Linsen über ihr Austauschintervall hinaus trägt, um Geld zu sparen, riskiert Ablagerungen, verminderte Sauerstoffdurchlässigkeit, Reizungen und Infektionen. Auch die tägliche Tragezeit sollte nicht übertrieben werden. Viele Stunden ohne Pause führen zu Sauerstoffmangel der Hornhaut, der langfristig Gefäßeinsprossungen in die Hornhaut auslösen kann.

7. Tageslinsen wiederverwenden

Tageslinsen sind dünner und nicht für Reinigung und Desinfektion ausgelegt. Werden sie über Nacht in Lösung gelegt und am nächsten Tag erneut getragen, steigt das Infektionsrisiko. Der große Vorteil von Tageslinsen ist ja gerade, dass jeden Tag eine sterile, neue Linse aufgesetzt wird.

8. Hände nicht waschen und abtrocknen

Vor jedem Einsetzen und Herausnehmen sollten Sie die Hände gründlich mit Seife waschen und mit einem fusselfreien Tuch abtrocknen. Rückstände von Cremes, Parfüm oder Seifen mit Rückfettern können auf die Linse gelangen und Reizungen auslösen. Feuchte Hände wiederum bringen Leitungswasser auf die Linse.

9. Linsen nicht reiben und spülen

Auch bei sogenannten No-Rub-Lösungen empfehlen Fachleute, Monats- und Zwei-Wochen-Linsen nach dem Herausnehmen mit etwas Lösung in der Handfläche einige Sekunden sanft abzureiben und anschließend abzuspülen. Das entfernt einen großen Teil von Ablagerungen und Keimen mechanisch, bevor die Desinfektion wirkt.

10. Linsen mit Speichel befeuchten oder Ersatzmittel verwenden

Eine heruntergefallene Linse in den Mund zu nehmen, ist eine schlechte Idee. Der Mund ist voller Bakterien. Auch Kochsalzlösung zum Selbermachen oder Lösungen, die nicht für Ihren Linsentyp vorgesehen sind, gehören nicht an Kontaktlinsen. Bei Peroxidsystemen müssen Sie die vollständige Neutralisation abwarten, sonst brennt das Auge stark.

11. Kosmetische Farblinsen ohne Anpassung tragen

Farbige oder Effektlinsen, etwa zu Halloween oder für Kostüme, werden oft ohne fachliche Anpassung online oder auf Märkten gekauft. Sie können schlecht sitzen, wenig Sauerstoff durchlassen und die Hornhaut verletzen. Hinzu kommt, dass sie häufig von Menschen getragen werden, die mit Hygiene und Handhabung nicht vertraut sind, oder sogar unter Freunden getauscht werden. Behörden wie die US-amerikanische FDA und Augenärzteverbände warnen ausdrücklich vor solchen Linsen ohne Anpassung. Auch kosmetische Linsen ohne Sehstärke sind Medizinprodukte und sollten von Fachleuten angepasst werden. Teilen Sie Kontaktlinsen nie mit anderen.

12. Beschwerden ignorieren und Kontrollen auslassen

Ein gerötetes, schmerzendes oder lichtempfindliches Auge ist bei Kontaktlinsenträgern ein Warnsignal, kein Grund, die Linse einfach weiterzutragen. Ebenso wichtig sind regelmäßige Kontrollen bei Augenoptik oder Augenarztpraxis, meist einmal jährlich. Dabei wird geprüft, ob die Linsen noch gut sitzen und ob die Hornhaut gesund ist, auch wenn Sie keine Beschwerden haben.

Übersicht: Fehler, Risiken und bessere Gewohnheiten

FehlerHauptrisikoBessere Gewohnheit
Mit Linsen schlafenbakterielle Keratitis, SauerstoffmangelLinsen vor jedem Schlaf herausnehmen
Kontakt mit WasserAkanthamöben-Keratitisnur Pflegelösung verwenden, Schwimmbrille mit Sehstärke
Lösung nachfüllenverdünnte Desinfektion, Keimwachstumtäglich komplett frische Lösung
Alter BehälterBiofilm als Keimquelletäglich spülen, lufttrocknen, regelmäßig ersetzen
Überlange TragezeitAblagerungen, HornhautschädenAustauschintervall und Tagestragezeit einhalten
Farblinsen ohne AnpassungVerletzungen, Infektionennur angepasste Linsen aus dem Fachhandel

Die richtige Routine in fünf Schritten

  1. Hände mit Seife waschen und mit einem fusselfreien Tuch gründlich abtrocknen.
  2. Linse herausnehmen, mit wenigen Tropfen Lösung in der Handfläche sanft reiben und abspülen.
  3. Linse in einen sauberen Behälter mit frischer Lösung legen und die vorgeschriebene Einwirkzeit einhalten.
  4. Morgens die Lösung wegschütten, Behälter mit Lösung ausspülen und offen kopfüber trocknen lassen.
  5. Austauschtermine für Linsen und Behälter notieren, etwa im Kalender oder mit einer Erinnerungs-App.

Wer zu trockenen Augen neigt, sollte das bei der Anpassung erwähnen. Ein anderes Linsenmaterial, Tageslinsen oder geeignete Benetzungstropfen können helfen. Achten Sie darauf, dass Tropfen ausdrücklich für Kontaktlinsen geeignet sind. Mehr dazu lesen Sie in unserem Beitrag Wie Sie die richtigen künstlichen Tränen auswählen und im Ratgeber Trockenes Auge.

Unterwegs und auf Reisen

Auf Reisen geraten gute Gewohnheiten besonders leicht ins Wanken: Das Hotelbad ist ungewohnt, die Pflegelösung reicht nicht oder wurde wegen der Flüssigkeitsregeln im Handgepäck zurückgelassen, und nach einem langen Flug schläft man schnell mit Linsen ein. Ein wenig Planung beugt vor:

  • Packen Sie Pflegelösung in Reisegröße, einen Ersatzbehälter und genügend Ersatzlinsen ein. Für Reisen sind Tageslinsen oft die hygienischere und bequemere Wahl.
  • Nehmen Sie immer eine aktuelle Brille mit, falls ein Auge gereizt ist und Sie die Linsen weglassen müssen.
  • Trockene Kabinenluft im Flugzeug strapaziert die Augen. Auf Langstreckenflügen ist es oft angenehmer, die Brille zu tragen. Weitere Tipps finden Sie in Augen schützen auf Flügen und Reisen.
  • In Ländern mit unsicherer Wasserqualität ist besondere Vorsicht geboten: Linsen und Behälter dürfen auch dort keinesfalls mit Leitungs- oder Flaschenwasser in Kontakt kommen.

Make-up und Kontaktlinsen

Setzen Sie die Linsen ein, bevor Sie sich schminken, und nehmen Sie sie heraus, bevor Sie Make-up entfernen. Verzichten Sie auf Kajal an der inneren Lidkante, da Partikel unter die Linse geraten können. Mascara und Augen-Make-up sollten regelmäßig ersetzt und nicht mit anderen geteilt werden. Weitere Tipps finden Sie in Augen-Make-up sicher verwenden.

Wann Sie sofort handeln müssen

Leichte Trockenheit am Abend ist häufig und meist harmlos. Bestimmte Beschwerden dürfen Sie bei Kontaktlinsen jedoch nie abwarten, denn eine Hornhautinfektion kann innerhalb von Stunden fortschreiten. Mehr zu Infektionen der Hornhaut finden Sie in unserem Ratgeber Hornhautgeschwüre und Augeninfektionen.

Linse sofort herausnehmen und noch am selben Tag eine Augenarztpraxis oder Augenklinik aufsuchen bei: Schmerzen, die nach dem Herausnehmen nicht nachlassen, deutlicher Rötung, Lichtempfindlichkeit, verschwommenem Sehen, starkem Tränen oder Ausfluss, einem weißen Fleck auf der Hornhaut oder dem Gefühl, dass noch etwas im Auge ist. Bewahren Sie Linse und Behälter auf und bringen Sie sie mit, da sie bei der Suche nach dem Erreger helfen können. Setzen Sie keine neue Linse ein, bis das Auge ärztlich untersucht wurde.

Häufig gestellte Fragen

Ist es schlimm, einmal mit Kontaktlinsen einzuschlafen?

Ein einmaliges Versehen führt nicht zwangsläufig zu einer Infektion, erhöht aber das Risiko. Nehmen Sie die Linsen nach dem Aufwachen heraus, gönnen Sie den Augen eine Pause und achten Sie auf Rötung, Schmerzen oder Lichtempfindlichkeit. Bei solchen Beschwerden gehen Sie noch am selben Tag zum Augenarzt.

Warum darf ich Kontaktlinsen nicht mit Wasser abspülen?

Leitungswasser ist nicht steril und kann Akanthamöben und andere Keime enthalten. Auf der Linse können diese eine schwere Hornhautentzündung auslösen. Verwenden Sie deshalb ausschließlich die empfohlene Pflegelösung.

Wie oft sollte ich den Kontaktlinsenbehälter wechseln?

Mindestens alle drei Monate, bei vielen Pflegesystemen mit jeder neuen Flasche Lösung. Spülen Sie den Behälter täglich mit Lösung aus und lassen Sie ihn offen an der Luft trocknen.

Kann ich mit Kontaktlinsen schwimmen gehen?

Davon wird abgeraten, weil Wasser Keime wie Akanthamöben enthalten kann. Besser ist eine Schwimmbrille mit Sehstärke. Wenn Sie doch Linsen tragen, nutzen Sie eine dicht schließende Schwimmbrille und entsorgen Sie Tageslinsen direkt danach.

Sind farbige Kontaktlinsen gefährlich?

Farbige Linsen sind nicht grundsätzlich gefährlich, wenn sie fachgerecht angepasst und gepflegt werden. Riskant sind Linsen ohne Anpassung, etwa aus dem Internet oder von Kostümständen, die schlecht sitzen und häufig unsachgemäß getragen werden.

Woran erkenne ich eine Hornhautinfektion durch Kontaktlinsen?

Typisch sind zunehmende Schmerzen, Rötung, Lichtempfindlichkeit, verschwommenes Sehen und manchmal ein weißer Fleck auf der Hornhaut. Nehmen Sie die Linse sofort heraus und lassen Sie das Auge noch am selben Tag augenärztlich untersuchen.

Muss ich No-Rub-Linsen trotzdem reiben?

Viele Fachleute empfehlen, wiederverwendbare Linsen trotzdem einige Sekunden mit Lösung abzureiben und abzuspülen. Das entfernt Ablagerungen und Keime mechanisch und verbessert die Wirkung der Desinfektion.

Quellen
  • Centers for Disease Control and Prevention (CDC) – Healthy Contact Lens Wear and Care
  • American Academy of Ophthalmology – Contact Lens Care and Safety (patient information)
  • U.S. Food and Drug Administration – Focusing on contact lens safety; Decorative contact lenses
  • NHS – Contact lenses: safety and care
  • College of Optometrists (UK) – Contact lens wear and care guidance
  • American Academy of Ophthalmology – Acanthamoeba keratitis (EyeWiki)

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