Augengymnastik

Alltag & Schutz

Schwimmen und Augen: Chlor, Schwimmbrille und Kontaktlinsen

Rote Augen nach dem Schwimmbad, Linsen im See, Schwimmbrille mit Sehstärke: Was Schwimmer über ihre Augen wissen sollten und wie sie Infektionen vorbeugen.

7 Min. Lesezeit Redaktion

Schwimmen ist eine der gesündesten Sportarten überhaupt: gelenkschonend, gut für Herz und Kreislauf und für alle Altersgruppen geeignet. Für die Augen ist das Wasser allerdings eine ungewohnte Umgebung. Wer im Hallenbad seine Bahnen zieht, kommt mit Chlor und seinen Nebenprodukten in Berührung, wer im See oder im Meer schwimmt, mit Mikroorganismen, Algen und Salz. Rote, brennende Augen nach dem Schwimmen sind deshalb weit verbreitet. Meist sind sie harmlos. In seltenen Fällen, vor allem bei Kontaktlinsenträgern, kann aus einem Badetag jedoch eine ernste Augeninfektion werden.

In diesem Beitrag erfahren Sie, warum Schwimmbadwasser die Augen reizt, wie Sie die richtige Schwimmbrille finden, auch mit Sehstärke, warum Kontaktlinsen und Wasser eine gefährliche Kombination sind und worauf Sie beim Schwimmen in offenen Gewässern achten sollten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Gerötete Augen nach dem Schwimmbad entstehen vor allem durch Chloramine, die sich aus Chlor und organischen Stoffen wie Schweiß und Urin bilden.
  • Eine gut sitzende Schwimmbrille ist der beste Schutz; für Fehlsichtige gibt es Modelle mit Sehstärke.
  • Kontaktlinsen sollten beim Schwimmen nicht getragen werden: Akanthamöben und Bakterien im Wasser können schwere Hornhautinfektionen auslösen.
  • In Seen, Flüssen und im Meer sind Infektionserreger häufiger als im gut gepflegten Becken – nach Starkregen oder bei Algenblüte besonders.
  • Schmerzen, Lichtscheu und Sehverschlechterung nach dem Schwimmen erfordern eine rasche augenärztliche Untersuchung.

Warum Schwimmbadwasser die Augen reizt

Chlor wird dem Badewasser zugesetzt, um Bakterien und Viren abzutöten. Das ist wichtig und sinnvoll. Der typische Hallenbadgeruch und die roten Augen stammen jedoch meist nicht vom Chlor selbst, sondern von sogenannten Chloraminen. Diese gebundenen Chlorverbindungen entstehen, wenn Chlor mit Schweiß, Urin, Hautschuppen, Kosmetik und anderen organischen Stoffen reagiert, die Badegäste ins Wasser bringen. Je mehr Menschen im Becken und je schlechter die Hygiene, desto mehr Chloramine.

Chloramine und auch der pH-Wert des Wassers wirken auf die Augenoberfläche ein. Sie stören den schützenden Tränenfilm, insbesondere dessen Fettschicht, und reizen die Bindehaut. Die Folge sind Rötung, Brennen, Fremdkörpergefühl und manchmal leicht verschwommenes Sehen, weil die oberste Hornhautschicht vorübergehend aufquillt. Typisch ist, dass diese Beschwerden innerhalb von Minuten bis wenigen Stunden nach dem Schwimmen nachlassen.

Duschen Sie vor dem Schwimmen gründlich – das ist nicht nur Pflicht, sondern verringert direkt die Bildung von Chloraminen. Wenn alle Badegäste das tun, ist die Luft im Bad besser und die Augen werden weniger gereizt.

Was nach dem Schwimmen hilft

  • Spülen Sie Gesicht und geschlossene Augen mit klarem Leitungswasser ab.
  • Befeuchtende Augentropfen ohne Konservierungsmittel können den Tränenfilm schneller wiederherstellen. Einen Überblick bietet unser Beitrag So wählen Sie künstliche Tränen.
  • Reiben Sie die Augen nicht, das verstärkt die Reizung.
  • Gönnen Sie den Augen eine Pause von Bildschirm und Kontaktlinsen, bis die Rötung abgeklungen ist.

Wer regelmäßig und lange schwimmt, etwa im Training, und ohne Schwimmbrille unterwegs ist, kann auf Dauer eine gereizte, trockene Augenoberfläche entwickeln. Für Menschen mit einem bereits bestehenden trockenen Auge ist eine Schwimmbrille deshalb besonders wichtig.

Die richtige Schwimmbrille

Eine Schwimmbrille hält das Wasser von den Augen fern und ermöglicht gleichzeitig klare Sicht unter Wasser. Damit sie diese Aufgabe erfüllt, muss sie gut sitzen. Eine undichte Brille, in die ständig Wasser läuft, nützt wenig.

Worauf Sie beim Kauf achten sollten

  • Dichtigkeit: Drücken Sie die Brille ohne Kopfband leicht auf die Augen. Hält sie einige Sekunden durch den Unterdruck, passt die Form zu Ihrem Gesicht.
  • Nasensteg: Ein verstellbarer oder austauschbarer Nasensteg sorgt dafür, dass die Gläser vor den Pupillen sitzen.
  • Dichtungen: Weiche Silikondichtungen sind angenehm und dicht; sehr kleine, harte Wettkampfbrillen sind eher für erfahrene Schwimmer gedacht.
  • Antibeschlag: Eine Antibeschlagbeschichtung verbessert die Sicht. Wischen Sie die Innenseite nicht mit den Fingern aus, sonst wird die Beschichtung beschädigt.
  • Tönung und UV-Schutz: Für das Freibad und offenes Wasser sind getönte oder verspiegelte Gläser mit UV-Schutz sinnvoll. Für Hallenbäder eignen sich klare Gläser.
  • Kopfband: Nicht zu straff ziehen. Ein zu starker Druck um die Augen ist unangenehm und kann bei manchen Menschen den Augeninnendruck während des Tragens vorübergehend erhöhen. Wer an einem Glaukom leidet, sollte die Brille deshalb besonders locker tragen und mit der Augenärztin sprechen.

Schwimmbrillen mit Sehstärke

Für kurzsichtige Schwimmer gibt es fertige Schwimmbrillen mit Minusgläsern in verschiedenen Stärken, oft in halben Dioptrienschritten. Sie sind günstig und für viele ausreichend, wenn beide Augen ähnliche Werte haben. Da die Gläser einzeln austauschbar sind, lassen sich bei manchen Modellen auch unterschiedliche Stärken für das rechte und linke Auge kombinieren. Für eine Hornhautverkrümmung, Weitsichtigkeit oder stark unterschiedliche Werte bieten Optiker individuell angefertigte Schwimmbrillen an. Eine Alternative für Weitsichtige und Alterssichtige sind Modelle mit kleinen Lesezonen, die zum Beispiel das Ablesen einer Uhr erleichtern.

Welche Werte Sie benötigen, finden Sie in Ihrem Brillenpass. Wie dieser zu lesen ist, erklärt unser Ratgeber So lesen Sie Ihren Brillenpass. Bei Schwimmbrillen wird die Korrektur meist etwas schwächer gewählt als bei der Alltagsbrille, weil Wasser optisch anders wirkt und Schwimmer selten ganz scharf sehen müssen.

Kontaktlinsen und Wasser: ein gefährliches Paar

Der wichtigste Sicherheitshinweis dieses Beitrags lautet: Schwimmen Sie nicht mit Kontaktlinsen. Kontaktlinsen nehmen Wasser und alles, was darin gelöst ist, auf wie ein Schwamm. Mikroorganismen können sich an der Linse festsetzen und werden direkt auf der Hornhaut gehalten. Das gilt für Leitungswasser, Schwimmbad, See, Fluss, Meer und auch für Whirlpools.

Akanthamöben: selten, aber gefürchtet

Akanthamöben sind einzellige Organismen, die praktisch überall im Wasser und im Boden vorkommen. Für Menschen ohne Kontaktlinsen sind sie fast immer harmlos. Gelangen sie jedoch mit einer Linse auf eine Hornhaut mit kleinen Verletzungen, können sie eine Akanthamöben-Keratitis auslösen. Diese Infektion ist selten, aber sehr schmerzhaft, schwer zu erkennen und schwer zu behandeln. Sie kann monatelange Therapien erfordern und im schlimmsten Fall zu bleibender Sehverschlechterung bis hin zur Notwendigkeit einer Hornhauttransplantation führen. Die große Mehrheit der Erkrankten sind Kontaktlinsenträger, und der Kontakt der Linsen mit Wasser gilt als wichtigster Risikofaktor.

Neben Akanthamöben können auch Bakterien wie Pseudomonas aeruginosa schwere Hornhautgeschwüre verursachen. Mehr Hintergrund finden Sie in unserem Ratgeber zu Hornhautgeschwüren und Augeninfektionen.

Wenn Sie doch mit Linsen geschwommen sind oder Wasser ins Auge gelangt ist: Nehmen Sie die Linsen so bald wie möglich heraus, entsorgen Sie Tageslinsen und desinfizieren oder ersetzen Sie Monatslinsen gründlich. Achten Sie in den folgenden Tagen auf Schmerzen, Rötung, Lichtscheu und Sehverschlechterung. Treten diese auf, suchen Sie noch am selben Tag eine Augenärztin auf und erwähnen Sie das Schwimmen ausdrücklich.

Wenn es ohne Sehhilfe nicht geht

Für viele Fehlsichtige ist Schwimmen ohne Sehhilfe unpraktisch oder unsicher. Die beste Lösung ist eine Schwimmbrille mit Sehstärke. Wer dennoch Linsen tragen möchte, sollte zumindest Tageslinsen verwenden, darüber eine dicht sitzende Schwimmbrille tragen und die Linsen direkt nach dem Schwimmen entsorgen. Das reduziert das Risiko, beseitigt es aber nicht. Weitere Regeln finden Sie in unserem Beitrag Kontaktlinsenhygiene: 12 Fehler, die Sie vermeiden sollten. Auch Linsen, Linsenbehälter oder Brillen dürfen niemals mit Leitungswasser abgespült werden.

Schwimmen in offenen Gewässern

Baggersee, Fluss, Meer: Schwimmen in der Natur liegt im Trend, ob im Sommer oder als Winterschwimmen. Anders als im gechlorten Becken wird das Wasser hier nicht desinfiziert. Die Wasserqualität der offiziellen Badestellen wird in der EU regelmäßig überwacht, kann sich aber kurzfristig verändern.

GewässerMögliche Risiken für die AugenSchutz
HallenbadChloramine, Reizung, trockene AugenSchwimmbrille, vorher duschen, nach dem Baden spülen
See und BaggerseeBakterien, Akanthamöben, Blaualgen bei AlgenblüteSchwimmbrille, keine Linsen, Badewarnungen beachten
FlussVerunreinigung nach Starkregen, Strömung, FremdkörperNur an ausgewiesenen Stellen baden
MeerSalz, Sand, starke UV-Belastung, QuallenGetönte Schwimmbrille mit UV-Schutz, Augen nach dem Baden spülen
WhirlpoolBakterien bei unzureichender Desinfektion, HitzeKopf nicht untertauchen, keine Linsen
  • Meiden Sie das Baden nach starkem Regen, da dann Abwässer und Schmutz ins Gewässer gespült werden können.
  • Beachten Sie Warnhinweise zu Blaualgen. Grünlich-trübes Wasser mit Schlieren ist ein Hinweis auf eine Algenblüte, die Haut und Augen reizen kann.
  • Tauchen Sie in trübem Wasser nicht mit offenen Augen.
  • Gegen die starke Sonne beim Freiwasserschwimmen helfen getönte Schwimmbrillen mit UV-Schutz. Mehr zum Thema bietet der Beitrag Augen im Sommer schützen.

Besondere Situationen

Nach einer Augenoperation

Nach Eingriffen wie einer Kataraktoperation, LASIK oder anderen refraktiven Verfahren ist das Infektionsrisiko in den ersten Wochen erhöht. Schwimmen ist dann meist für einige Tage bis Wochen nicht erlaubt. Halten Sie sich an die Vorgaben Ihres Operateurs, auch wenn das Auge sich schon gut anfühlt.

Kinder

Kinder verbringen oft Stunden im Wasser und tauchen gern mit offenen Augen. Eine bequeme Kinder-Schwimmbrille macht das Schwimmen angenehmer und schützt vor Reizung. Bei einer ansteckenden Bindehautentzündung sollten Kinder nicht ins Schwimmbad gehen, bis die Entzündung abgeheilt ist.

Bei Augenerkrankungen

Menschen mit akuter Bindehautentzündung, Hornhautverletzung oder frischen Augeninfektionen sollten nicht schwimmen gehen. Bei einem Glaukom oder nach einer Glaukomoperation sprechen Sie das Thema Schwimmbrille und Tauchen bitte mit Ihrer Augenärztin ab.

Wann Sie zum Augenarzt sollten

Leichte Rötung und Brennen nach dem Schwimmen verschwinden in der Regel innerhalb weniger Stunden. Halten sie länger an oder kommen weitere Beschwerden hinzu, sollten Sie das Auge untersuchen lassen.

Suchen Sie umgehend ärztliche Hilfe bei: starken oder zunehmenden Augenschmerzen; ausgeprägter Lichtempfindlichkeit; Sehverschlechterung oder Schleiersehen, das nicht innerhalb weniger Stunden verschwindet; einem weißlichen Fleck auf der Hornhaut; eitrigem Ausfluss. Für Kontaktlinsenträger gilt das besonders – auch, wenn die Beschwerden erst Tage nach dem Schwimmen auftreten. Erste-Hilfe-Hinweise finden Sie im Ratgeber Augennotfälle und Erste Hilfe.

Vereinbaren Sie außerdem einen regulären Termin, wenn Ihre Augen nach jedem Schwimmbadbesuch stark brennen, wenn Sie eine Schwimmbrille mit individueller Sehstärke benötigen oder wenn Sie unsicher sind, ob Schwimmen nach einer Operation wieder erlaubt ist.

Häufig gestellte Fragen

Warum werden meine Augen im Schwimmbad rot?

Hauptverantwortlich sind Chloramine, die entstehen, wenn Chlor mit Schweiß, Urin und anderen organischen Stoffen reagiert. Sie reizen Bindehaut und Tränenfilm. Die Rötung verschwindet meist innerhalb weniger Stunden; eine Schwimmbrille beugt vor.

Darf ich mit Kontaktlinsen schwimmen?

Davon raten Augenärzte und Gesundheitsbehörden ab. Wasser kann Akanthamöben und Bakterien enthalten, die sich an der Linse festsetzen und schwere Hornhautinfektionen verursachen. Besser ist eine Schwimmbrille mit Sehstärke.

Gibt es Schwimmbrillen mit Sehstärke?

Ja. Für Kurzsichtige gibt es preiswerte fertige Modelle mit austauschbaren Gläsern in verschiedenen Stärken. Bei Hornhautverkrümmung, Weitsichtigkeit oder stark unterschiedlichen Werten fertigt der Optiker individuelle Schwimmbrillen an.

Ist es schädlich, unter Wasser die Augen zu öffnen?

Gelegentliches Öffnen der Augen unter Wasser ist für Menschen ohne Kontaktlinsen in der Regel unbedenklich, kann aber zu Reizungen führen. In trübem oder verschmutztem Wasser sollten Sie die Augen geschlossen halten oder eine Schwimmbrille tragen.

Kann man mit Glaukom eine Schwimmbrille tragen?

Grundsätzlich ja, aber das Kopfband sollte nicht zu straff sein, da enge Schwimmbrillen den Augeninnendruck während des Tragens vorübergehend erhöhen können. Größere, weich abdichtende Modelle sind günstiger. Sprechen Sie das Thema bei Ihrer Augenärztin an.

Wann darf ich nach einer Augenoperation wieder schwimmen?

Das hängt vom Eingriff ab und wird von Ihrem Operateur festgelegt. Nach Katarakt- oder Laseroperationen ist Schwimmen meist für einige Tage bis Wochen nicht erlaubt, weil das Infektionsrisiko erhöht ist. Halten Sie sich an die individuellen Vorgaben.

Quellen
  • Centers for Disease Control and Prevention – Healthy Swimming: Chloramines and Pool Operation
  • Centers for Disease Control and Prevention – Acanthamoeba Keratitis
  • American Academy of Ophthalmology – Swimming with contact lenses (patient information)
  • Umweltbundesamt – Badegewässerqualität in Deutschland
  • NHS – Acanthamoeba keratitis
  • College of Optometrists (UK) – Contact lenses and water

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