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Sonnenbrille kaufen: Woran Sie echten UV-Schutz erkennen

Eine dunkle Tönung allein schützt nicht vor UV-Strahlung. Was UV400, CE-Kennzeichnung, Filterkategorien und Polarisation bedeuten und ob teure Sonnenbrillen besser sind.

7 Min. Lesezeit Redaktion

Eine Sonnenbrille ist weit mehr als ein modisches Accessoire. Sie schützt die Augen vor ultravioletter Strahlung (UV-Strahlung), die über die Jahre zu Augenerkrankungen beitragen kann, und sie verringert Blendung, die das Sehen anstrengend und im Straßenverkehr sogar gefährlich macht. Doch nicht jede Sonnenbrille hält, was ihr Aussehen verspricht. Eine dunkle Tönung sagt nichts über den UV-Schutz aus, und eine schlecht gefilterte dunkle Brille kann sogar mehr schaden als nützen.

In diesem Artikel erfahren Sie, welche Angaben auf dem Etikett wirklich zählen, was es mit UV400 und den Filterkategorien 0 bis 4 auf sich hat, wann polarisierte Gläser sinnvoll sind, welche Glasfarbe für welchen Zweck taugt und warum gerade Kinder einen guten Sonnenschutz brauchen. Außerdem klären wir die Frage, ob eine teure Markenbrille besser schützt als ein günstiges Modell.

Das Wichtigste in Kürze

  • Entscheidend ist der UV-Schutz, nicht die Tönung. Achten Sie auf UV400 oder 100 Prozent UV-Schutz und eine CE-Kennzeichnung.
  • Die Filterkategorie von 0 bis 4 gibt an, wie viel sichtbares Licht durchgelassen wird. Für den mitteleuropäischen Sommer ist Kategorie 2 oder 3 meist ideal.
  • Kategorie 4 ist für Gletscher und Hochgebirge gedacht und für den Straßenverkehr verboten.
  • Polarisierte Gläser reduzieren Spiegelungen auf Wasser und nassen Straßen, schützen aber nicht zusätzlich vor UV.
  • Große, gewölbte Fassungen schützen besser, weil weniger Strahlung von der Seite eindringt.
  • Auch günstige Sonnenbrillen können einen vollständigen UV-Schutz bieten, wenn sie korrekt gekennzeichnet sind.

Warum die Augen UV-Schutz brauchen

UV-Strahlung ist für das menschliche Auge unsichtbar und wird deshalb leicht unterschätzt. Sie wird in UV-A, UV-B und UV-C unterteilt. UV-C wird von der Atmosphäre fast vollständig abgefangen. UV-B und UV-A erreichen dagegen die Erdoberfläche und damit auch unsere Augen.

Die Folgen zeigen sich auf zwei Zeitskalen. Kurzfristig kann eine intensive UV-Belastung, etwa im Schnee oder am Wasser, eine schmerzhafte Entzündung der Hornhaut auslösen, die sogenannte Schneeblindheit (Photokeratitis). Mehr dazu in unserem Beitrag Schneeblindheit und UV-Schäden. Langfristig wird eine hohe kumulative UV-Belastung mit verschiedenen Erkrankungen in Verbindung gebracht:

  • Grauer Star (Katarakt): Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zählt UV-Strahlung zu den Faktoren, die zur Entstehung des Grauen Stars beitragen. Mehr dazu im Ratgeber Grauer Star.
  • Pterygium und Pinguecula: gutartige Wucherungen der Bindehaut, die bei Menschen mit viel Sonnenexposition häufiger auftreten. Siehe Pterygium und Pinguecula.
  • Hautkrebs der Augenlider: Die dünne Lidhaut ist besonders empfindlich.
  • Makuladegeneration: Ein Zusammenhang mit Sonnenlicht wird diskutiert, ist aber deutlich weniger gesichert.

Die wichtigsten Angaben auf dem Etikett

UV400 und 100 Prozent UV-Schutz

Die Kennzeichnung UV400 bedeutet, dass die Gläser Strahlung bis zu einer Wellenlänge von 400 Nanometern blockieren. Damit sind UV-A und UV-B vollständig abgedeckt. Gleichwertig ist die Angabe 100 Prozent UV-Schutz. Das ist der Standard, den Sie bei jeder Sonnenbrille erwarten sollten. Die europäische Norm für Sonnenbrillen (DIN EN ISO 12312-1) legt Mindestanforderungen für den UV-Schutz fest. Die UV400-Angabe geht in der Regel noch darüber hinaus.

CE-Kennzeichnung

In der Europäischen Union müssen Sonnenbrillen eine CE-Kennzeichnung tragen. Sie zeigt an, dass der Hersteller die Einhaltung der europäischen Anforderungen erklärt. Bei Billigprodukten von Straßenständen oder aus fragwürdigen Onlineshops ist die Kennzeichnung allerdings nicht immer verlässlich. Kaufen Sie im Zweifel im Fachhandel oder bei seriösen Händlern.

Die Filterkategorie

Auf dem Bügel oder Etikett steht meist eine Zahl von 0 bis 4. Sie beschreibt, wie viel sichtbares Licht das Glas durchlässt, also wie dunkel es ist, und hat nichts mit dem UV-Schutz zu tun.

KategorieDurchgelassenes Licht (ca.)Geeignet fürStraßenverkehr
080 bis 100 ProzentModebrillen, bedeckter Himmel, leichte Tönunggeeignet
143 bis 80 Prozentschwaches Sonnenlicht, trüber Taggeeignet
218 bis 43 Prozentmittleres Sonnenlicht, mitteleuropäischer Sommergeeignet
38 bis 18 Prozentstarke Sonne, Strand, Süden, Bergegeeignet (tagsüber)
43 bis 8 ProzentGletscher, Hochgebirge, extreme Helligkeitnicht zulässig

Gläser der Kategorie 4 sind so dunkel, dass sie im Straßenverkehr verboten sind. Sie dürfen weder beim Autofahren noch beim Radfahren getragen werden. Auch Kategorie-3-Gläser eignen sich nicht für Dämmerung, Tunnel oder Nachtfahrten. Sonnenbrillen gehören nachts grundsätzlich nicht ins Gesicht des Fahrers.

Warum eine dunkle Brille ohne UV-Schutz gefährlich ist

Hinter dunklen Gläsern weiten sich die Pupillen, weil weniger sichtbares Licht ins Auge fällt. Fehlt gleichzeitig ein ausreichender UV-Filter, gelangt durch die größere Pupille sogar mehr UV-Strahlung ins Augeninnere als ganz ohne Brille. Zudem kneift man mit einer dunklen Brille die Augen weniger zusammen, was ein natürlicher Schutzmechanismus wäre. Eine Spielzeug- oder Billigbrille ohne verlässlichen UV-Schutz ist deshalb schlechter als gar keine Sonnenbrille.

Polarisation: Wann sie sinnvoll ist

Licht, das von flachen, glatten Flächen wie Wasser, Schnee, nassem Asphalt oder einer Motorhaube reflektiert wird, schwingt überwiegend in einer Richtung. Polarisierte Gläser enthalten einen Filter, der genau dieses Licht herausfiltert. Das Ergebnis: Spiegelungen und Blendung werden deutlich reduziert, Kontraste erscheinen klarer, und man kann beispielsweise beim Angeln oder Segeln unter die Wasseroberfläche sehen.

  • Vorteile: weniger Blendung beim Autofahren, am Wasser, beim Wandern, beim Wassersport.
  • Nachteile: Digitale Anzeigen wie Smartphone-Displays, Navigationsgeräte oder manche Armaturenbretter können je nach Winkel dunkel oder fleckig erscheinen. Beim Skifahren kann die Polarisation eisige Stellen schwerer erkennbar machen, weil gerade deren Glanz weggefiltert wird.

Wichtig: Polarisation und UV-Schutz sind zwei verschiedene Eigenschaften. Ein polarisiertes Glas schützt nicht automatisch vor UV-Strahlung. Achten Sie also immer auch auf die UV400-Kennzeichnung.

Welche Glasfarbe für welchen Zweck?

Die Tönungsfarbe beeinflusst, wie Farben und Kontraste wahrgenommen werden. Auf den UV-Schutz hat sie keinen Einfluss.

GlasfarbeWirkungBesonders geeignet für
Graudunkelt gleichmäßig ab, Farben bleiben natürlichAlltag, Autofahren, starke Sonne
Braunerhöht Kontraste, wirkt warmAutofahren, wechselnde Lichtverhältnisse, Golf
Grünnatürliche Farben, gute Kontraste, angenehmAlltag, Freizeit
Gelb oder Orangesteigert Kontraste bei diffusem LichtNebel, bedeckter Himmel, Wintersport bei schlechter Sicht; nicht für Nachtfahrten
Verspiegeltreflektiert zusätzlich LichtHochgebirge, Wasser, Schnee

Selbsttönende Gläser (phototrope Gläser) dunkeln bei UV-Licht ab und hellen in Innenräumen wieder auf. Hinter der Windschutzscheibe des Autos funktionieren sie oft nur eingeschränkt, weil das Glas der Scheibe einen großen Teil der UV-Strahlung abfängt. Mehr zu Beschichtungen und Tönungen erklärt unser Ratgeber Glasbeschichtungen.

Form und Größe: Schutz von der Seite

Selbst die besten Gläser nützen wenig, wenn die Strahlung an der Fassung vorbei ins Auge gelangt. UV-Licht erreicht das Auge auch seitlich, von oben und durch Reflexion vom Boden. Große Gläser, eng anliegende und gewölbte Fassungen (Wraparound-Form) oder breite Bügel bieten deutlich mehr Schutz als kleine, flache Modebrillen. Ein Hut mit breiter Krempe oder eine Schirmmütze verringert die Belastung zusätzlich erheblich.

Sonnenbrillen für Kinder

Kinderaugen sind besonders empfindlich. Die Augenlinse von Kindern ist klarer als die von Erwachsenen und lässt mehr UV-Strahlung bis zur Netzhaut durch. Gleichzeitig verbringen Kinder oft viel Zeit im Freien. Fachleute gehen davon aus, dass ein beträchtlicher Teil der lebenslangen UV-Belastung bereits in der Kindheit erfolgt.

  • Auch bei Kindern auf UV400 oder 100 Prozent UV-Schutz und CE-Kennzeichnung achten. Spielzeugbrillen sind kein Sonnenschutz.
  • Bruchsichere Gläser aus Kunststoff wie Polycarbonat wählen.
  • Flexible, gut sitzende Fassungen, gegebenenfalls mit Halteband, damit die Brille auch getragen wird.
  • Für Babys und Kleinkinder sind Schatten, Sonnenhut und das Meiden der Mittagssonne der wichtigste Schutz.
  • Bei Kindern mit Brille gibt es Sonnenbrillen mit Sehstärke oder Clips. Mehr dazu im Ratgeber Brillen für Kinder.

Sonnenschutz ja, aber kein Rückzug ins Haus: Tageslicht ist für die Augenentwicklung von Kindern wichtig. Zeit im Freien senkt nachweislich das Risiko, kurzsichtig zu werden. Ein vernünftiger Sonnenschutz mit Hut und Sonnenbrille bei starker Sonne und Schatten zur Mittagszeit passt gut dazu.

Sonnenbrillen für Sport und besondere Situationen

Je nach Einsatzbereich stellen sich unterschiedliche Anforderungen an eine Sonnenbrille. Eine Brille, die im Stadtcafé perfekt ist, kann auf dem Gletscher oder beim Mountainbiken ungeeignet sein.

  • Wintersport und Hochgebirge: Mit jedem Höhenmeter nimmt die UV-Strahlung zu, und frischer Schnee reflektiert einen großen Teil davon zurück. Hier sind Kategorie 3 oder bei Gletschertouren Kategorie 4 sinnvoll, idealerweise mit seitlichem Schutz. Bei Abfahrten bieten Skibrillen einen rundum geschlossenen Schutz.
  • Wassersport: Wasser reflektiert Licht und UV-Strahlung. Polarisierte Gläser und ein Halteband sind hier praktisch.
  • Radfahren und Laufen: Leichte, gut sitzende, gewölbte Brillen mit bruchsicheren Gläsern schützen auch vor Wind, Insekten und Staub. Wechselgläser oder selbsttönende Gläser passen sich an wechselnde Lichtverhältnisse an.
  • Ballsportarten: Hier ist Bruchsicherheit besonders wichtig. Mehr dazu im Ratgeber Schutz- und Sportbrillen.

Denken Sie daran, dass auch an bewölkten Tagen ein erheblicher Teil der UV-Strahlung durch die Wolken dringt. Die UV-Belastung hängt vom UV-Index ab, nicht von der gefühlten Wärme. Ab einem UV-Index von 3 empfehlen Gesundheitsbehörden Schutzmaßnahmen, zu denen auch die Sonnenbrille gehört.

Billig oder teuer: Was ist der Unterschied?

Eine gute Nachricht vorweg: Ein vollständiger UV-Schutz ist technisch nicht teuer. Auch eine günstige Sonnenbrille aus Drogerie oder Supermarkt kann UV400 erfüllen, wenn sie korrekt nach europäischer Norm gekennzeichnet ist. Der höhere Preis von Marken- oder Optikerbrillen spiegelt sich eher in anderen Eigenschaften:

  • Optische Qualität: Hochwertige Gläser sind frei von Verzerrungen und Schlieren. Minderwertige Gläser können zu Kopfschmerzen und Ermüdung führen.
  • Materialien und Beschichtungen: Kratzfestigkeit, Entspiegelung auf der Rückseite, Polarisation.
  • Fassung: Haltbarkeit, Gewicht, Passform und Anpassbarkeit.
  • Marke und Design: ein großer Teil des Preises bei Luxusmarken.

Wichtig sind vor allem die Kennzeichnung und ein seriöser Händler. Augenoptikerinnen und Augenoptiker können mit einem Messgerät überprüfen, ob eine vorhandene Sonnenbrille tatsächlich UV-Strahlung blockiert.

Sonnenbrille mit Sehstärke

Wer eine Brille braucht, hat mehrere Möglichkeiten: eine Sonnenbrille mit eingeschliffener Sehstärke, Kontaktlinsen in Kombination mit einer normalen Sonnenbrille, Vorhänger oder Clips sowie selbsttönende Gläser. Für Autofahrer und Sportler ist eine Sonnenbrille mit Korrektur meist die komfortabelste und sicherste Lösung. Einen Überblick über alle Optionen gibt unser Ratgeber Sonnenbrillen: UV, Polarisation und Kategorien.

Wann Sie ärztlichen Rat suchen sollten

Eine gute Sonnenbrille ist ein wirksamer Schutz, ersetzt aber keine Vorsorge. Wer viel im Freien arbeitet, Wassersport treibt oder in die Berge geht, sollte die Augen regelmäßig untersuchen lassen, besonders bei Veränderungen an der Bindehaut oder den Lidern.

Ärztlich abklären lassen sollten Sie: starke Augenschmerzen, Fremdkörpergefühl, Tränen und Lichtscheu einige Stunden nach intensiver Sonnen- oder Schneeexposition, ein dunkler Fleck oder Schatten im Sehfeld nach dem Blick in die Sonne oder bei einer Sonnenfinsternis, eine wachsende Wucherung auf dem Augenweiß, die auf die Hornhaut zuwächst, sowie neue Knoten, Krusten oder nicht heilende Stellen an den Augenlidern. Schauen Sie niemals ohne zertifizierte Sonnenfinsternisbrille direkt in die Sonne. Normale Sonnenbrillen schützen davor nicht.

Häufig gestellte Fragen

Was bedeutet UV400 bei Sonnenbrillen?

UV400 bedeutet, dass die Gläser UV-Strahlung bis zu einer Wellenlänge von 400 Nanometern blockieren. Damit sind UV-A und UV-B vollständig abgedeckt. Die Angabe entspricht einem UV-Schutz von 100 Prozent.

Schützt eine dunklere Sonnenbrille besser vor UV-Strahlung?

Nein. Die Tönung bestimmt nur, wie viel sichtbares Licht durchgelassen wird. Der UV-Schutz ist davon unabhängig. Eine dunkle Brille ohne UV-Filter kann sogar schaden, weil sich die Pupillen dahinter weiten.

Welche Filterkategorie brauche ich für den Sommer?

Für den mitteleuropäischen Sommer ist Kategorie 2 meist ausreichend, für Strand, südliche Länder oder Berge Kategorie 3. Kategorie 4 ist nur für extreme Bedingungen wie Gletscher gedacht und im Straßenverkehr verboten.

Sind polarisierte Sonnenbrillen besser?

Polarisierte Gläser reduzieren Spiegelungen auf Wasser, Schnee und nassen Straßen und sind daher beim Autofahren und Wassersport angenehm. Sie bieten aber keinen zusätzlichen UV-Schutz und können digitale Displays schlechter lesbar machen.

Brauchen Kinder eine Sonnenbrille?

Bei starker Sonne, am Wasser oder im Schnee ja. Kinderaugen lassen mehr UV-Strahlung durch als Erwachsenenaugen. Achten Sie auf UV400, CE-Kennzeichnung und bruchsichere Gläser und ergänzen Sie den Schutz durch einen Sonnenhut.

Schützen billige Sonnenbrillen genauso gut?

Den UV-Schutz können auch günstige Brillen vollständig bieten, wenn sie korrekt gekennzeichnet sind. Teurere Modelle unterscheiden sich vor allem in optischer Qualität, Materialien, Beschichtungen und Passform.

Kann ich mit einer Sonnenbrille in die Sonnenfinsternis schauen?

Nein. Normale Sonnenbrillen, auch der Kategorie 4, schützen nicht vor den Netzhautschäden beim Blick in die Sonne. Dafür sind spezielle, zertifizierte Sonnenfinsternisbrillen nötig.

Quellen
  • World Health Organization – Ultraviolet radiation and the INTERSUN programme
  • DIN EN ISO 12312-1 – Augen- und Gesichtsschutz, Sonnenbrillen für den allgemeinen Gebrauch
  • American Academy of Ophthalmology – How to choose the best sunglasses (patient information)
  • Bundesamt für Strahlenschutz – UV-Strahlung und Schutz der Augen
  • Cancer Council Australia – Eye protection and sunglasses standards
  • NHS – Sunglasses and eye protection

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