Augengymnastik

Alltag & Schutz

Augen auf Reisen: So schützen Sie Ihre Augen im Flugzeug und unterwegs

Trockene Kabinenluft, lange Flüge mit Kontaktlinsen, Jetlag und intensive Sonne fordern die Augen. Mit der richtigen Vorbereitung und einer kleinen Reiseapotheke bleiben sie entspannt.

7 Min. Lesezeit Redaktion

Reisen ist für viele Menschen die schönste Zeit des Jahres. Für die Augen bedeutet es allerdings oft Stress: Im Flugzeug ist die Luft extrem trocken, auf Langstreckenflügen sitzt man stundenlang vor kleinen Bildschirmen, der Schlaf kommt zu kurz, und am Ziel warten grelle Sonne, Salzwasser, Chlor oder Staub. Kontaktlinsenträger spüren das oft besonders deutlich.

Mit etwas Vorbereitung lassen sich die meisten Beschwerden vermeiden. In diesem Beitrag erfahren Sie, warum Ihre Augen im Flugzeug brennen, wie Sie mit Kontaktlinsen entspannt reisen, was gegen Jetlag hilft, wie Sie Ihre Augen am Urlaubsort schützen und was in eine kleine Augen-Reiseapotheke gehört.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Luftfeuchtigkeit in der Flugzeugkabine ist sehr niedrig; künstliche Tränen, bewusstes Blinzeln und ausreichend Trinken helfen.
  • Auf Langstreckenflügen ist für Kontaktlinsenträger die Brille meist die bessere Wahl. Schlafen Sie nie mit Linsen, die dafür nicht zugelassen sind.
  • Tageslicht zur richtigen Zeit ist das wirksamste Mittel, um die innere Uhr nach einem Jetlag neu einzustellen.
  • In Äquatornähe, am Meer, im Schnee und in den Bergen ist die UV-Belastung besonders hoch; eine gute Sonnenbrille ist Pflicht.
  • Ersatzbrille, Augentropfen, Linsenzubehör und eine Kopie Ihrer Werte gehören in jedes Handgepäck.

Warum die Augen im Flugzeug austrocknen

In Reiseflughöhe ist die Außenluft sehr kalt und enthält kaum Wasser. Die Luft, die in die Kabine geleitet wird, ist deshalb extrem trocken. Die relative Luftfeuchtigkeit liegt auf Langstreckenflügen häufig nur bei etwa 10 bis 20 Prozent, also deutlich niedriger als in einer normalen Wohnung. Zum Vergleich: Als angenehm gelten für die Augen etwa 40 bis 60 Prozent.

Der Tränenfilm verdunstet unter diesen Bedingungen schneller. Hinzu kommen weitere Faktoren, die die Augen zusätzlich belasten:

  • Die Belüftungsdüsen über dem Sitz blasen direkt ins Gesicht.
  • Beim Lesen, Arbeiten am Laptop oder Filmeschauen auf dem Bordbildschirm blinzeln wir deutlich seltener.
  • Alkohol und Kaffee an Bord können den Körper zusätzlich austrocknen.
  • Müdigkeit und Schlafmangel verstärken die Beschwerden.

Die Folge sind brennende, kratzende oder gerötete Augen, ein Fremdkörpergefühl und manchmal schwankende Sehschärfe. Wer ohnehin zu trockenen Augen neigt, merkt das oft schon nach einer Stunde. Ausführliche Informationen zum Krankheitsbild finden Sie im Ratgeber zum trockenen Auge.

Was im Flugzeug hilft

  1. Künstliche Tränen griffbereit: Konservierungsmittelfreie Einzeldosen oder ein Mehrdosenfläschchen ohne Konservierungsmittel passen problemlos ins Handgepäck. Tropfen Sie vorbeugend etwa alle ein bis zwei Stunden.
  2. Luftdüse wegdrehen: Richten Sie den Luftstrom vom Gesicht weg, statt ihn direkt auf die Augen blasen zu lassen.
  3. Bewusst blinzeln: Schließen Sie die Augen zwischendurch für einige Sekunden und blinzeln Sie vollständig. Unsere Blinzelübung zeigt, wie es geht.
  4. Ausreichend Wasser trinken: Trinken Sie regelmäßig Wasser und gehen Sie zurückhaltend mit Alkohol um.
  5. Bildschirmpausen: Schauen Sie während eines Films immer wieder bewusst weg oder schließen Sie die Augen, ähnlich wie bei der 20-20-20-Regel.
  6. Schlafmaske: Eine gut sitzende Maske schützt beim Schlafen vor Luftzug und Licht. Achten Sie darauf, dass sie nicht auf die Augen drückt.

Kontaktlinsen auf Langstreckenflügen

Kontaktlinsen liegen direkt auf dem Tränenfilm. Trocknet dieser aus, saugen weiche Linsen Feuchtigkeit von der Augenoberfläche ab, werden steifer und können reiben. Gleichzeitig erhält die Hornhaut, die ihren Sauerstoff vor allem aus der Luft bezieht, unter einer Linse weniger Sauerstoff. Bei langen Flügen, besonders über Nacht, ist das eine ungünstige Kombination.

FlugdauerEmpfehlung für Kontaktlinsenträger
Kurzstrecke bis etwa 2 StundenLinsen meist problemlos; Benetzungstropfen mitnehmen
Mittelstrecke 2 bis 5 StundenLinsen möglich, regelmäßig benetzen; bei Trockenheit auf Brille wechseln
Langstrecke und NachtflügeMöglichst Brille tragen; Linsen erst kurz vor der Landung einsetzen
Schlafen an BordLinsen vorher herausnehmen, außer sie sind ausdrücklich für das Tragen über Nacht zugelassen

Einige praktische Hinweise für Linsenträger:

  • Packen Sie Behälter, eine kleine Flasche Pflegemittel (unter 100 Milliliter für die Sicherheitskontrolle) und Ersatzlinsen ins Handgepäck.
  • Tageslinsen sind auf Reisen besonders praktisch, weil keine Reinigung nötig ist.
  • Waschen Sie vor dem Einsetzen oder Herausnehmen gründlich die Hände. Toiletten an Bord sind eng, Desinfektionsmittel und ein sauberes Tuch helfen.
  • Verwenden Sie niemals Leitungswasser oder Speichel zum Reinigen der Linsen. In Leitungswasser können Akanthamöben vorkommen, die eine gefährliche Hornhautinfektion auslösen.

Alle wichtigen Regeln finden Sie in unserem Beitrag Kontaktlinsenhygiene: 12 Fehler, die Sie vermeiden sollten.

Wechseln Sie beim Boarding auf die Brille und setzen Sie die Linsen erst nach der Landung oder kurz vor dem Sinkflug wieder ein. So kommen Ihre Augen ausgeruht am Ziel an.

Jetlag: Müde Augen und gestörter Rhythmus

Wer mehrere Zeitzonen überfliegt, bringt seine innere Uhr durcheinander. Die Folgen sind Müdigkeit am Tag, Schlafprobleme in der Nacht, Konzentrationsschwäche und Verdauungsbeschwerden. Für die Augen bedeutet der Schlafmangel oft gerötete, trockene und geschwollene Lider, Augenringe und manchmal Lidzucken.

Das wichtigste Signal für die innere Uhr ist Licht, das über spezielle Zellen in der Netzhaut aufgenommen wird. Diese Zellen enthalten das Pigment Melanopsin und melden dem Gehirn, ob es Tag oder Nacht ist. Genau deshalb ist Tageslicht der beste Taktgeber gegen Jetlag:

  • Nach Osten fliegen (z. B. nach Asien): Suchen Sie am Ziel helles Licht am Vormittag und meiden Sie grelles Licht am späten Abend.
  • Nach Westen fliegen (z. B. nach Amerika): Bleiben Sie am Nachmittag und frühen Abend im Hellen, um länger wach zu bleiben.
  • Am Abend Bildschirme dimmen: Helles Licht von Smartphone und Tablet kurz vor dem Schlafen erschwert das Einschlafen.
  • Kurze Nickerchen: Maximal 20 bis 30 Minuten, damit der Nachtschlaf nicht leidet.

Wie eng Schlaf und Augengesundheit zusammenhängen, erklärt unser Ratgeber Schlaf und Augengesundheit. Bei Medikamenten gegen Schlafstörungen, auch bei Melatonin, sollten Sie vor der Einnahme ärztlichen oder pharmazeutischen Rat einholen.

Sonne am Urlaubsort: UV-Schutz nicht vergessen

In vielen beliebten Urlaubszielen ist die UV-Strahlung deutlich stärker als in Mitteleuropa. Je näher am Äquator, je höher in den Bergen und je mehr Reflexion durch Wasser, Sand oder Schnee, desto höher die Belastung. Schnee reflektiert einen großen Teil der UV-Strahlung, und mit jedem Höhenkilometer nimmt die UV-Intensität zu.

Kurzfristig kann intensive UV-Strahlung eine schmerzhafte Entzündung der Hornhaut verursachen (Photokeratitis), die als Schneeblindheit bekannt ist. Sie tritt meist einige Stunden nach der Sonnenexposition auf und fühlt sich an wie Sand in den Augen. Langfristig erhöht wiederholte UV-Belastung das Risiko für Grauen Star, Pterygium (eine Bindehautwucherung auf der Hornhaut) und Hautkrebs an den Lidern.

So schützen Sie sich

  • Tragen Sie eine Sonnenbrille mit CE-Kennzeichnung und vollständigem UV-Schutz (UV400). Die Tönung allein sagt nichts über den UV-Schutz aus.
  • Für Strand, Wasser und Schnee eignen sich Gläser der Kategorie 3; für Gletscher und Hochgebirge Kategorie 4, die jedoch nicht zum Autofahren geeignet ist.
  • Seitlich geschlossene oder gewölbte Fassungen verhindern, dass Licht von der Seite einfällt.
  • Ein Hut mit breiter Krempe reduziert die UV-Belastung zusätzlich.
  • Kinder brauchen besonders guten Schutz, da ihre Augenlinse mehr UV-Licht durchlässt.

Wie Sie eine wirklich schützende Sonnenbrille erkennen, erfahren Sie in unserem Beitrag So wählen Sie eine Sonnenbrille, die wirklich schützt.

Wasser, Wind und Staub

Am Pool reizt Chlor die Augen, im Meer Salz und manchmal Keime. Eine Schwimmbrille schützt zuverlässig. Kontaktlinsen sollten beim Schwimmen nicht getragen werden, weil Keime aus dem Wasser unter der Linse eingeschlossen werden können. Wer auf Sehkorrektur angewiesen ist, kann eine Schwimmbrille mit Korrekturgläsern verwenden.

In Wüstenregionen, auf Safaris oder bei Fahrten im offenen Jeep wirbeln Wind und Staub auf. Eine eng anliegende Sonnenbrille, ein Tuch zum Schutz des Gesichts und künstliche Tränen zum Ausspülen helfen. Reiben Sie sich bei einem Fremdkörper nie die Augen, sondern spülen Sie mit sauberem Wasser oder Kochsalzlösung.

Ihre Augen-Reiseapotheke

GegenstandWofür
Ersatzbrille oder alte BrilleFalls die Hauptbrille verloren geht oder zerbricht
Brillenpass oder Foto Ihrer WerteFür schnellen Ersatz im Ausland
Konservierungsmittelfreie künstliche TränenGegen Trockenheit im Flugzeug und am Ziel
Sonnenbrille mit UV400, ggf. mit SehstärkeSchutz vor UV und Blendung
Kontaktlinsenbehälter, Pflegemittel, ErsatzlinsenFür Linsenträger; Tageslinsen sind besonders praktisch
Sterile Kochsalzlösung in EinzeldosenZum Ausspülen bei Staub oder Sand
SchlafmaskeFür Flug und Hotel
Brillenetui und MikrofasertuchSchutz und Reinigung der Brille
Eigene AugenmedikamenteIn ausreichender Menge, mit ärztlicher Bescheinigung bei Bedarf

Wer Glaukomtropfen oder andere Augenmedikamente benötigt, sollte sie im Handgepäck transportieren und bei Zeitverschiebung mit dem Arzt besprechen, wie der Rhythmus angepasst wird. Manche Tropfen müssen gekühlt werden; fragen Sie in der Apotheke, wie sie auf Reisen gelagert werden können.

Besondere Situationen

Nach Augenoperationen

Nach einer Kataraktoperation ist Fliegen meist nach kurzer Zeit wieder möglich. Nach bestimmten Netzhautoperationen, bei denen eine Gasblase ins Auge gegeben wurde, ist Fliegen dagegen streng verboten, bis das Gas vollständig aufgelöst ist. Der Druckabfall in der Kabine kann sonst zu einem gefährlichen Anstieg des Augeninnendrucks führen. Fragen Sie vor jeder Reise nach einer Augenoperation Ihren Operateur.

Nach Laserbehandlung der Hornhaut

Nach LASIK, PRK oder SMILE sind die Augen anfangs besonders trocken. Planen Sie Fernreisen erst nach Rücksprache und nehmen Sie reichlich Benetzungstropfen mit.

Autofahren am Urlaubsort

Ungewohnte Straßen, Linksverkehr, Nachtfahrten nach einem Langstreckenflug und grelles Sonnenlicht verlangen volle Aufmerksamkeit. Fahren Sie nach einem Nachtflug möglichst nicht sofort lange Strecken.

Wann Sie zum Arzt sollten

Leichte Trockenheit nach einem Flug verschwindet meist innerhalb eines Tages, wenn Sie die Augen befeuchten und gut schlafen. Halten die Beschwerden länger an oder nehmen sie zu, sollten Sie eine Ärztin aufsuchen, notfalls auch im Ausland. Kontaktlinsenträger sollten bei Schmerzen die Linse sofort herausnehmen.

Sofort ärztliche Hilfe suchen bei: starken Augenschmerzen, deutlicher Rötung mit Lichtscheu, plötzlich nachlassendem Sehen, einem weißen Fleck auf der Hornhaut (besonders bei Kontaktlinsenträgern), einem Schatten oder Vorhang im Gesichtsfeld, vielen neuen Lichtblitzen oder schwarzen Punkten sowie nach Verletzungen oder Verätzungen. Bei Verätzungen sofort mindestens 15 Minuten mit sauberem Wasser spülen und dann medizinische Hilfe suchen.

Mit einer kleinen Reiseapotheke, der richtigen Sonnenbrille und etwas Rücksicht auf Ihre Augen im Flugzeug genießen Sie Ihre Reise entspannt und kommen mit klarem Blick wieder nach Hause.

Häufig gestellte Fragen

Warum brennen meine Augen im Flugzeug?

Die Luftfeuchtigkeit in der Kabine ist auf langen Flügen sehr niedrig, oft nur zehn bis zwanzig Prozent. Der Tränenfilm verdunstet schneller, und beim Lesen oder Filmeschauen blinzeln wir seltener. Künstliche Tränen, bewusstes Blinzeln und ausreichend Wasser helfen.

Kann ich auf einem Langstreckenflug Kontaktlinsen tragen?

Es ist möglich, aber oft unangenehm, weil die Linsen austrocknen. Auf langen Flügen und Nachtflügen ist die Brille die bessere Wahl. Schlafen Sie nicht mit Linsen, die dafür nicht zugelassen sind.

Hilft Licht gegen Jetlag?

Ja, Tageslicht ist der wichtigste Taktgeber für die innere Uhr. Nach Flügen nach Osten hilft helles Licht am Vormittag, nach Flügen nach Westen eher Licht am Nachmittag und frühen Abend. Abends sollten helle Bildschirme vermieden werden.

Welche Sonnenbrille brauche ich im Urlaub?

Wichtig ist ein vollständiger UV-Schutz (UV400) mit CE-Kennzeichnung. Für Strand und Schnee eignet sich Kategorie 3, für Gletscher Kategorie 4, die aber nicht zum Autofahren zugelassen ist. Seitlich geschlossene Modelle schützen zusätzlich.

Darf ich nach einer Augenoperation fliegen?

Das hängt vom Eingriff ab. Nach einer Kataraktoperation ist Fliegen meist bald wieder erlaubt. Nach Netzhautoperationen mit Gasblase ist Fliegen verboten, bis das Gas vollständig aufgelöst ist. Fragen Sie immer Ihren Operateur.

Was gehört in eine Augen-Reiseapotheke?

Eine Ersatzbrille, eine Kopie der Brillenwerte, konservierungsmittelfreie künstliche Tränen, eine Sonnenbrille mit UV-Schutz, Kontaktlinsenzubehör, sterile Kochsalzlösung und eigene Augenmedikamente. Alles davon gehört ins Handgepäck.

Quellen
  • American Academy of Ophthalmology – Tips for Healthy Eyes While Traveling
  • World Health Organization – International Travel and Health: Mode of travel – health considerations for air travellers
  • Aerospace Medical Association – Medical Guidelines for Airline Travel
  • NHS – Jet lag
  • World Health Organization – Ultraviolet radiation (Fact sheet)
  • Royal College of Ophthalmologists – Patient information: Intraocular gas and air travel

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