Augengymnastik

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Grauer-Star-OP: Was Sie vor, während und nach dem Eingriff erwartet

Die Operation des grauen Stars ist einer der häufigsten Eingriffe überhaupt. Hier erfahren Sie, wie sie abläuft, welche Linse zu Ihnen passt und worauf Sie danach achten sollten.

7 Min. Lesezeit Redaktion

Die Diagnose grauer Star (Katarakt) ist für viele Menschen zunächst beunruhigend. Dabei ist die Operation der getrübten Linse einer der häufigsten und am besten untersuchten chirurgischen Eingriffe der Medizin. In Deutschland werden jedes Jahr Hunderttausende Augen operiert, die allermeisten ambulant und mit sehr guten Ergebnissen. Nach dem Eingriff sehen viele Patientinnen und Patienten klarer, farbintensiver und kontrastreicher als seit Jahren.

Trotzdem ist es eine Operation am Auge, und es ist ganz normal, Fragen zu haben: Wann ist der richtige Zeitpunkt? Welche Kunstlinse soll ich wählen? Tut es weh? Wie lange dauert die Heilung? Dieser Artikel führt Sie Schritt für Schritt durch den gesamten Ablauf und erklärt, worauf Sie achten sollten, damit Sie gut vorbereitet in die Operation gehen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Operiert wird, wenn der graue Star Sie im Alltag einschränkt, etwa beim Lesen, Autofahren oder durch Blendung. Es gibt meist keinen Grund zur Eile, aber auch keinen Vorteil, zu lange zu warten.
  • Bei der Voruntersuchung wird das Auge genau vermessen, um die Stärke der Kunstlinse zu berechnen.
  • Zur Wahl stehen Monofokallinsen, torische Linsen gegen Hornhautverkrümmung sowie Multifokal- und EDOF-Linsen für mehr Brillenunabhängigkeit.
  • Der Eingriff dauert meist 15 bis 30 Minuten, erfolgt in örtlicher Betäubung und ist in der Regel schmerzfrei.
  • Der sogenannte Nachstar ist häufig und lässt sich einfach mit einem Laser behandeln. Starke Schmerzen, Sehverschlechterung oder zunehmende Rötung nach der OP sind Warnzeichen.

Was ist grauer Star und wann wird operiert?

Beim grauen Star trübt sich die natürliche Linse des Auges, die hinter der Pupille liegt. Das Licht wird gestreut, das Bild wird verschwommen, Farben wirken blasser, und Blendung, etwa durch Scheinwerfer bei Nacht, nimmt zu. Häufigste Ursache ist das Alter. Aber auch Diabetes, Kortisonbehandlungen, Verletzungen, Rauchen und UV-Strahlung können eine Rolle spielen. Ausführliche Hintergründe finden Sie im Ratgeber Grauer Star.

Medikamente, Augentropfen oder Augenübungen können eine Linsentrübung nicht rückgängig machen. Die einzige wirksame Behandlung ist die Operation, bei der die getrübte Linse durch eine klare Kunstlinse ersetzt wird. Wann operiert wird, hängt vor allem davon ab, wie stark Sie die Sehminderung im Alltag einschränkt. Für das Autofahren gelten gesetzliche Mindestanforderungen an die Sehschärfe; wer diese nicht mehr erfüllt, sollte nicht mehr selbst fahren. Mehr zum Thema finden Sie im Beitrag Nachtfahrten: Blendung, Halos und Sehen.

Vor der Operation: die Voruntersuchung

Einige Wochen vor dem Eingriff findet eine ausführliche Voruntersuchung statt. Sie dient dazu, das Auge zu beurteilen, mögliche andere Erkrankungen zu erkennen und die passende Kunstlinse auszuwählen.

Was untersucht wird

  • Sehschärfe und Brillenwerte: Wie gut sehen Sie mit und ohne Brille?
  • Spaltlampenuntersuchung: Beurteilung von Hornhaut, Linse und Vorderkammer.
  • Augenhintergrund: Mit erweiterter Pupille werden Netzhaut, Makula und Sehnerv untersucht. Erkrankungen wie Makuladegeneration oder Glaukom beeinflussen das zu erwartende Ergebnis.
  • Biometrie: Optische Messung der Augenlänge, der Hornhautkrümmung und weiterer Werte. Daraus wird mit speziellen Formeln die Brechkraft der Kunstlinse berechnet.
  • Hornhauttopografie: Bei Hornhautverkrümmung oder bei Interesse an Premiumlinsen wird die Oberfläche genau vermessen.
  • Optische Kohärenztomografie (OCT): wird je nach Befund eingesetzt, um die Makula genau zu beurteilen.

Was Sie vorbereiten sollten

  • Bringen Sie eine Liste aller Medikamente mit, auch blutverdünnende Mittel. Ob diese weiter eingenommen werden, entscheidet die Ärztin oder der Arzt; setzen Sie nichts eigenmächtig ab.
  • Erwähnen Sie unbedingt, wenn Sie Medikamente gegen Prostatabeschwerden aus der Gruppe der Alpha-Blocker einnehmen oder eingenommen haben. Sie können die Iris während der Operation schlaff machen, worauf sich das OP-Team einstellen kann.
  • Kontaktlinsen müssen vor der Biometrie einige Tage bis Wochen herausgelassen werden, damit sich die Hornhaut normalisiert.
  • Überlegen Sie, wie Sie in Zukunft sehen möchten: Ist Ihnen Brillenfreiheit wichtig, lesen Sie viel, fahren Sie oft nachts?
  • Organisieren Sie eine Begleitperson für den OP-Tag, da Sie danach nicht selbst Auto fahren dürfen.

Die Wahl der Kunstlinse

Die Kunstlinse, auch Intraokularlinse (IOL) genannt, bleibt ein Leben lang im Auge. Ihre Wahl ist daher eine wichtige Entscheidung, die Sie gemeinsam mit Ihrer Augenärztin oder Ihrem Augenarzt treffen sollten.

LinsentypPrinzipVorteileMögliche Nachteile
MonofokallinseEin scharfer Fokus, meist für die FerneSehr gute Abbildungsqualität, wenig Blendung, bewährt; in Deutschland KassenleistungLesebrille meist weiterhin nötig
Torische LinseGleicht zusätzlich eine Hornhautverkrümmung ausSchärferes Sehen ohne Brille bei AstigmatismusMuss exakt ausgerichtet sein; meist Zuzahlung
MultifokallinseMehrere Brennpunkte für Ferne, Zwischenbereich und NäheHäufig weitgehende BrillenunabhängigkeitHalos und Blendung bei Nacht, etwas weniger Kontrast; Zuzahlung
EDOF-LinseErweiterte Tiefenschärfe von Ferne bis ZwischenbereichGute Sicht am Computer, weniger Lichtphänomene als MultifokalFür kleine Schrift oft noch Lesebrille; Zuzahlung

Monovision als Alternative

Bei der Monovision wird ein Auge auf die Ferne und das andere auf eine mittlere oder nahe Entfernung eingestellt. Das Gehirn nutzt dann je nach Situation das passende Auge. Viele Menschen kommen damit gut zurecht, besonders wenn sie diese Lösung bereits mit Kontaktlinsen kennen. Das räumliche Sehen kann allerdings etwas eingeschränkt sein.

Wer ist für Premiumlinsen geeignet?

Multifokal- und EDOF-Linsen sind nicht für jeden geeignet. Bei Erkrankungen der Makula, fortgeschrittenem Glaukom oder ausgeprägten trockenen Augen können sie das Sehen verschlechtern. Auch wer viel nachts fährt oder beruflich auf maximalen Kontrast angewiesen ist, sollte die möglichen Lichtphänomene sorgfältig abwägen. Lassen Sie sich die Vor- und Nachteile ausführlich erklären und fragen Sie nach den Kosten. Brillenwerte, Astigmatismus und Alterssichtigkeit erklären unsere Ratgeber Hornhautverkrümmung und Alterssichtigkeit.

Am Tag der Operation: der Ablauf

Die Operation erfolgt in Deutschland meist ambulant. Sie kommen morgens in die Praxis oder Klinik und können nach ein bis zwei Stunden wieder nach Hause. Beide Augen werden in der Regel an verschiedenen Tagen operiert, oft im Abstand von einigen Tagen bis Wochen.

Betäubung

Meist reichen betäubende Augentropfen, manchmal ergänzt durch ein Gel oder eine Injektion neben das Auge. Auf Wunsch oder bei Bedarf kann zusätzlich ein leichtes Beruhigungsmittel gegeben werden. Eine Vollnarkose ist nur in Ausnahmefällen nötig, etwa wenn jemand nicht ruhig liegen kann. Sie spüren während der Operation in der Regel keine Schmerzen, eventuell aber einen leichten Druck. Viele Menschen sehen helles Licht und Farben, aber keine Instrumente.

Die Phakoemulsifikation Schritt für Schritt

  1. Vorbereitung: Das Auge und die Umgebung werden desinfiziert und steril abgedeckt. Ein kleiner Sperrer hält die Lider offen.
  2. Kleiner Schnitt: Am Rand der Hornhaut werden winzige Zugänge von wenigen Millimetern angelegt.
  3. Kapsel öffnen: Die vordere Linsenkapsel wird kreisrund geöffnet. Die Kapsel selbst bleibt als Halterung für die Kunstlinse erhalten.
  4. Linse zerkleinern und absaugen: Mit Ultraschall wird der getrübte Linsenkern zerkleinert und abgesaugt. Diesen Schritt nennt man Phakoemulsifikation.
  5. Kunstlinse einsetzen: Die gefaltete Kunstlinse wird durch den kleinen Schnitt eingeführt und entfaltet sich im Kapselsack.
  6. Abschluss: Die Schnitte verschließen sich meist von selbst, ohne Naht. Oft wird ein Antibiotikum in das Auge gegeben, und das Auge wird mit einem Verband oder einer Schutzkappe versorgt.

In manchen Zentren wird ein Femtosekundenlaser für einzelne Schritte eingesetzt. Große Studien haben gezeigt, dass das Ergebnis im Durchschnitt nicht besser ist als bei der herkömmlichen Technik. Allgemeine Informationen zu Augenoperationen bietet unser Ratgeber Augenchirurgie.

Nach der Operation: die Heilungsphase

Am Tag nach der Operation findet meist eine erste Kontrolle statt. Viele Menschen sehen schon nach ein bis zwei Tagen deutlich besser, bei manchen dauert es einige Tage, bis sich das Bild klärt. Die vollständige Stabilisierung braucht etwa vier bis sechs Wochen. Danach wird, falls nötig, eine neue Brille angepasst.

Was normal ist

  • leichtes Fremdkörpergefühl, Kratzen oder Jucken in den ersten Tagen
  • leichte Rötung und Lichtempfindlichkeit
  • verschwommenes Sehen in den ersten Stunden bis Tagen
  • Farben wirken heller und bläulicher als zuvor, weil die gelbliche Trübung fehlt
  • vorübergehend störende Lichtreflexe am Rand des Gesichtsfelds

Verhaltensregeln

  • Augentropfen: Wenden Sie die verordneten entzündungshemmenden und gegebenenfalls antibiotischen Tropfen genau nach Plan an. Waschen Sie vorher die Hände.
  • Nicht reiben oder drücken: Tragen Sie nachts für einige Tage die Schutzkappe.
  • Hygiene: In der ersten Zeit kein Wasser, keine Seife und kein Make-up direkt ans Auge. Beim Haarewaschen den Kopf nach hinten neigen. Tipps zu Kosmetik finden Sie im Beitrag Augen-Make-up sicher verwenden.
  • Schwimmbad und Sauna: etwa zwei bis vier Wochen meiden, je nach ärztlicher Empfehlung.
  • Körperliche Belastung: Schweres Heben und Sport mit Verletzungsgefahr in den ersten Wochen vermeiden; leichte Alltagsaktivitäten sind meist schnell wieder möglich.
  • Autofahren: erst nach ärztlicher Freigabe, wenn das Sehen die gesetzlichen Anforderungen erfüllt.
  • Lesen, Fernsehen, Bildschirm: sind in der Regel erlaubt, sobald es angenehm ist.

Nachstar: häufig und gut behandelbar

Monate bis Jahre nach der Operation bemerken manche Menschen, dass das Sehen allmählich wieder trüber wird, ähnlich wie vor der Operation. Ursache ist meist ein Nachstar (hintere Kapseltrübung): Verbliebene Linsenzellen wachsen auf der hinteren Kapsel, die die Kunstlinse hält, und trüben sie ein. Der Nachstar ist eine der häufigsten Folgen der Kataraktoperation und keine Komplikation im eigentlichen Sinne.

Die Behandlung ist einfach: Mit einem YAG-Laser wird in wenigen Minuten ein kleines Fenster in die getrübte Kapsel geschossen. Der Eingriff ist schmerzfrei, erfolgt ambulant ohne Schnitt, und das Sehen bessert sich meist innerhalb kurzer Zeit. Ein Nachstar kehrt nach der Laserbehandlung in der Regel nicht zurück. Selten kann der Eingriff den Augendruck vorübergehend erhöhen; sehr selten tritt danach eine Netzhautablösung auf.

Risiken und mögliche Komplikationen

Schwerwiegende Komplikationen sind selten, aber möglich. Dazu gehören:

  • Endophthalmitis: eine Infektion im Augeninneren. Sie ist sehr selten, aber ein Notfall, der sofort behandelt werden muss.
  • Erhöhter Augeninnendruck in den ersten Tagen, der meist gut mit Tropfen behandelt werden kann.
  • Makulaödem: eine Schwellung der Netzhautmitte einige Wochen nach der OP, die das Sehen beeinträchtigt und meist gut auf Tropfen anspricht.
  • Netzhautablösung: selten, das Risiko ist bei hoher Kurzsichtigkeit erhöht.
  • Kapselriss während der Operation, wodurch eventuell weitere Schritte nötig werden.
  • Abweichung der Zielrefraktion: Trotz genauer Messung kann eine Restfehlsichtigkeit verbleiben, die mit einer Brille ausgeglichen wird.

Melden Sie sich nach der Operation sofort bei Ihrer Augenarztpraxis oder einer Augenklinik, wenn:

  • die Schmerzen zunehmen statt nachzulassen, besonders in den ersten Tagen
  • das Sehen sich nach anfänglicher Besserung wieder verschlechtert
  • die Rötung deutlich zunimmt oder Lider anschwellen
  • Sie Lichtblitze, plötzlich viele neue schwarze Punkte oder einen Schatten wie einen Vorhang im Gesichtsfeld bemerken
  • Übelkeit, Erbrechen und starke Kopfschmerzen auftreten
  • Sekret oder Eiter aus dem Auge kommt

Warten Sie in diesen Fällen nicht bis zum nächsten Kontrolltermin, auch nicht über das Wochenende. Eine Infektion oder Netzhautablösung muss innerhalb von Stunden behandelt werden. Mehr dazu im Ratgeber Netzhautablösung.

Fazit

Die Operation des grauen Stars ist sicher, schnell und führt bei den allermeisten Menschen zu einer deutlichen Verbesserung des Sehens. Eine gute Vorbereitung, eine sorgfältig gewählte Kunstlinse und die konsequente Nachsorge mit Tropfen und Schonung sind die Grundlage für ein gutes Ergebnis. Kennen Sie die Warnzeichen nach dem Eingriff, und zögern Sie nicht, bei Problemen sofort Kontakt zu Ihrer Praxis aufzunehmen. Ein später Nachstar ist kein Grund zur Sorge und lässt sich in wenigen Minuten beheben.

Häufig gestellte Fragen

Tut eine Grauer-Star-Operation weh?

In der Regel nicht. Das Auge wird mit Tropfen oder einer Injektion betäubt. Viele Menschen spüren nur einen leichten Druck und sehen helles Licht. Nach der Operation sind leichtes Kratzen oder Fremdkörpergefühl normal.

Wie lange dauert die Operation?

Der Eingriff selbst dauert meist 15 bis 30 Minuten. Mit Vorbereitung und Nachbeobachtung sollten Sie für den OP-Tag einige Stunden einplanen. In Deutschland erfolgt die Operation meist ambulant.

Welche Kunstlinse ist die beste?

Das hängt von Ihren Augen und Ihren Sehgewohnheiten ab. Monofokallinsen bieten die beste Abbildungsqualität, erfordern aber meist eine Lesebrille. Multifokal- und EDOF-Linsen ermöglichen mehr Brillenfreiheit, können aber Halos verursachen. Torische Linsen gleichen eine Hornhautverkrümmung aus.

Wann darf ich nach der Grauer-Star-OP wieder Auto fahren?

Erst wenn Ihre Augenärztin oder Ihr Augenarzt Sie freigibt und Ihr Sehen die gesetzlichen Anforderungen erfüllt. Am Operationstag dürfen Sie keinesfalls selbst fahren.

Was ist ein Nachstar?

Ein Nachstar ist eine Trübung der Kapsel, in der die Kunstlinse sitzt. Er kann Monate bis Jahre nach der Operation auftreten und wird mit einem YAG-Laser in wenigen Minuten schmerzfrei behandelt. Er kehrt danach in der Regel nicht zurück.

Kann der graue Star wiederkommen?

Nein, die natürliche Linse wurde entfernt und kann sich nicht erneut trüben. Was manchmal als Wiederkehr empfunden wird, ist ein Nachstar der Linsenkapsel, der gut mit dem Laser behandelt werden kann.

Werden beide Augen gleichzeitig operiert?

In Deutschland werden die Augen in der Regel an verschiedenen Tagen operiert, oft im Abstand von einigen Tagen bis Wochen. So kann das erste Auge heilen, und das Ergebnis kann bei der Planung des zweiten Auges berücksichtigt werden.

Brauche ich nach der Operation noch eine Brille?

Das hängt von der gewählten Linse ab. Mit einer Monofokallinse für die Ferne benötigen die meisten Menschen eine Lesebrille. Mit Multifokal- oder EDOF-Linsen sind viele weitgehend brillenunabhängig, garantiert ist das aber nicht.

Quellen
  • American Academy of Ophthalmology – Cataract Surgery (patient information)
  • American Academy of Ophthalmology – Preferred Practice Pattern: Cataract in the Adult Eye
  • NHS – Cataract surgery
  • National Eye Institute – Cataracts
  • Royal College of Ophthalmologists – Cataract surgery: patient information
  • National Institute for Health and Care Excellence (NICE) – Cataracts in adults: management (NG77)

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